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Braunbär – Ursus arctos arctos

Einheimische -Art

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Raubtiere
Familie: Bären
Art: Europäischer Braunbär

Geschichte: Der Europäische Braunbär stammt ursprünglich aus Asien und ist vor mehr als 200.000 Jahren nach Europa eingewandert. Sie entwickelten sich aus dem Etruskischen Bären (Ursus etruscus), einer ausgestorbenen Bärenart des Pliozäns und Pleistozäns. Ursprünglich war der Europäische Braunbär in ganz Europa und großen Teilen Eurasiens heimisch. Durch starke Bejagung und die Zerstörung des Lebensraums (Abholzung und Landwirtschaft) wurde der Bestand in West-, Mittel- und Südeuropa über die Jahrhunderte stark dezimiert. Größere, stabile Populationen gibt es heute vor allem in Russland, Rumänien (Karpaten), Skandinavien und auf dem Balkan. In Deutschland gilt der Braunbär seit dem 19. Jahrhundert als dauerhaft ausgestorben, gelegentlich wandern einzelne Tiere aus den Alpenregionen ein

Mythologie: …

Buchtipps:
– Unter wilden Bären – Der neue Nachbar in unseren Wäldern von Christine Sonvilla, Marc Graf & Robert Haasmann
– Das Wilde Herz Europas – Die Rückkehr von Luchs, Wolf & Bär von Marc Graf & Christine Sonvilla

Beschreibung: Das Fell reicht von karamell- bis okkerfarben, Schokoladenbraun, gelb- und graubraun über verschiedene Brauntöne bis zu schwarz. Schwerer, massiver Kopf. Gliedmaßen lang und kräftig. Vorder- und Hinterfüße haben jeweils 5 Zehen, die in bis zu 8cm langen, nicht einziehbaren Krallen enden. Vorstehende Schnauze. Ohren abstehend und abgerundet. Augen sehr klein
Kopf-Rumpf-Länge: 100cm – 280cm
Schulterhöhe: 90cm – 150cm
Standhöhe mit gestreckter Pfote: Bis zu 280cm
Gewicht: 85kg – 260kg
Herzfrequenz: In Aktivitätsphasen;75 Schläge pro Minute, in der Winterruhe; 15 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: In Aktivitätsphasen; 37,5°C, im Winterschlaf; 33,5°C

Sinnesleistung:
Sehvermögen: Vergleichbar mit Menschen, jedoch nicht besonders scharf auf große Entfernungen, Bewegungsseher
Gehör: Hört sehr gut über weite Distanz
Geruchsinn: Kann Nahrung oder Artgenossen über mehrere Kilometer hinweg wittern. Bis zu 100 – mal besser als Menschen
Geschmackssinn: Bären schmecken süße Aromen deutlich und lieben daher Beeren, reifes Obst und Honig. Ihr Geschmack und das Gebiss sind auf eine abwechslungsreiche Kost aus Pflanzen, Insekten und gelegentlich Fleisch ausgelegt. Bei reichem Nahrungsangebot (wie zu Lachszeiten) schmecken und selektieren sie gezielt besonders fett- oder proteinreiche Teile wie Beeren mit viel Zucker oder Fischskin
Sonstiges: Braunbären gelten als sehr intelligent, lernfähig und besitzen ein ausgezeichnetes Gedächtnis
Lautäußerungen: Brummen/knurren (bei Aggression, Stress oder Drohgebärden), puffen/schnauben (kurzes, intensives Ausatmen), heulen/wimmern (Jungtiere äußern sich so, wenn sie hungrig, kalt oder von der Mutter getrennt sind)

Lebenserwartung: Bis zu 25 Jahre
Lebensraum: Tundra, Bergwiesen, Küstenregionen, offenes Gelände, Halboffene Landschaften, Wälder mit Unterholz, felsiges Gelände
Höhle: Nutzt Höhlen, Felsspalten oder selbst gegrabene Erdhöhlen als geschützten Unterschlupf für seine winterliche Winterruhe
Lebensweise: Einzelgängerisch, dämmerungs- und nachtaktiv, hält Winterruhe von Oktober – März. Kein ausgeprägtes Territorialverhalten. Nicht standorttreu. Um visuelle oder olfaktorische Hinweise zu geben, scheuern sie sich an Bäumen, wälzen sich am Boden, beißen oder kratzen sie Teile der Baumrinde heraus oder urinieren und defäkieren auf den Boden. Diese Zeichen dienen der Kennzeichnung des Reviers, der Signalisierung der Paarungsbereitschaft oder der Markierung von Wanderwegen

Fortbewegung: Passgang. Sohlengänger. Bis zu 50km/h schnell. Klettert gut. Guter Schwimmer. Gräbt ausgezeichnet
Nahrung: Aas, Baumfrüchte (Eicheln, Kastanien, Bucheckern), Baumrinde, Beeren (Heidelbeeren, Bisons, Brombeeren, Himbeeren), Blüten, Elche, Erdhörnchen (Ziesel, Murmeltiere), Fisch (insbesondere in Küstenregionen), Gräser, Gabelböcke, Honig, Insekten (Ameisen, Larven, Wespen, Bienen), junge Rehe, junge Rinder, Knollen, Kräuter, Lemminge, Nagetiere, Nüsse, Obst, Pilze, Rentiere, Schafe, Schößlinge, Taschenratten, Vögel, Vogeleier, Wapitis, Weißwedelhirsche, Wühlmäuse,Wurzeln, Ziegen
Sonstiges: Pflanzliche Nahrung ca. 80%, tierische Nahrung ca. 20%, Braunbären sind keine spezialisierten Jäger größerer Säugetiere, sie verfügen jedoch über erhebliche Kräfte. Huftiere werden meist durch Prankenhiebe auf Kopf oder Nacken getötet, daher ist häufig der Schädel oder die Wirbelsäule des Beutetieres gebrochen. Häufig sind auch Bisse in den Hals- oder Schulterbereich. Bären öffnen dann meist die Bauch- oder die Brusthöhle und fressen die Innereien, sehr gerne auch das Euter. Diese charakteristische Bearbeitung der Beutetiere wird in Schadensfällen bei Haustieren für die Identifizierung des Verursachers genutzt. Meist töten und fressen sie kranke oder alte Exemplare sowie Jungtiere
Kot: Pflanzliche Kost (Spätsommer und Herbst); oft breiig, weich oder liegt als flacher Haufen bzw. Fladen auf dem Boden. Farbe eher dunkel. Oft sind unverdaute Reste wie Fruchtsamen, Beerenkerne, Gräser oder Wurzelteile deutlich erkennbar. Fleischliche Kost (Frühjahr und Frühsommer); in Form kurzer, dicker Würste geformt. Farbe meist heller. Er enthält oft sichtbare Reste wie Haare oder Knochenteile von Beute. Bärenkot ist insgesamt sehr voluminös und deutlich größer als der von Hunden oder Wölfen. Die Haufen können je nach Nahrungsmenge beträchtlich sein

Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in in einer Winterhöhle geboren
Paarungszeit: Mai – Juni dann Keimruhe bis Januar – Februar
Balzverhalten: Bären hinterlassen Spuren an Bäumen durch Reiben, Kratzen und Urinieren. Das verrät ihre Anwesenheit und Paarungsbereitschaft. Das Männchen muss erst das Vertrauen des Weibchens gewinnen. Es kommt oft zu vorsichtigem Beschnuppern und gemeinsamem Umherstreifen
Tragzeit: 6 – 8 Wochen
Wurfzeit: Januar – Februar
Wurfgröße: 1 – 3 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 Wurf alle 2 – 3 Jahre
Säugezeit: 4 Monate, Weibchen haben ein Paar Zitzen an der Brust und zwei weitere am Bauch
Selbstständig: 1 – 2 Jahre
Geschlechtsreife: 3 – 5 Jahre
Jungensterblichkeit: …

Natürliche Feinde: Luchse, Wölf (jedoch nur für junge Bären)
Abwehrverhalten: Stellt sich auf die Hinterbeine, schnauft laut, knirscht mit den Zähnen, schnaubt wütend, brüllt, legt Ohren an, schlägt mit den Pfoten auf den Boden. Scheinangrifft – rennt auf eine Person zu und stoppen kurz davor, um die Reaktion zu testen. Bärinen verteidigen ihre Jungen sehr aggressiv, auch die Verteidigung von Futterquellen oder das Gefühl, in die Enge getrieben zu sein, kann Angriffe auslösen
Krankheiten: Alopezie (Haarausfall), Arthrose, Bandwürmer, Dermatitis (Hautentzündung), Flöhe, Osteodystrophia fibrosa durch Kalziummangel, Räude (parasitäre Hautkrankheit), Staphylokokken, „Sterngucker-Krankheit“ durch Vitamin-B1-Mangel, Streptokokken, Trichinella (Trichinose/Trichinellose), Zecken

Schutzstatus:
– FFH-Richtlinie – Anhang IV
– Bundesnaturschutzgesetz – Streng geschützt
Es ist verboten Braunbären zu fangen, zu verletzt, zu tötet oder deren Lebensstätten (Wurfhöhlen) zu zerstören. Auch der Besitz, Transport oder Verkauf von toten Bären oder Trophäen (Felle, Schädel) ohne Artenschutz-Bescheinigung ist verboten. Es drohen bei Verstoß bis zu 50.000€ Strafe oder bis zu 5 Jahre Freiheitsstrafe und ggf. der Entzug des Jagdscheins!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Ja, aber ganzjährig geschont

Funktion im Ökosystem: Durch das Fressen von Beeren, Früchten und Nüssen und die anschließende Ausscheidung der Samen über weite Strecken tragen sie wesentlich zur Verbreitung von Pflanzen bei. Bei der Nahrungssuche (Wurzeln, Insekten unter Steinen) graben Braunbären den Boden um. Dies fördert die Bodenbelüftung, Nährstoffzirkulation und das Pflanzenwachstum. Als Prädatoren beeinflussen sie die Bestände anderer Tierarten (z.B. kleine Nager) und wirken als Aasfresser, indem sie Tierkadaver beseitigen. Durch ihre flexible Ernährungsweise, die sie an Klimaveränderungen anpassen können, tragen Braunbären zur Stabilität und Widerstandsfähigkeit ihrer Lebensräume bei

Braunbären brauchen Hilfe, wenn …
– die Mutter getötet wurde oder die Jungen verlassen hat, da sie allein nicht überlebensfähig sind. Diese werden oft in speziellen Auffangstationen aufgepäppelt
– sie mit schweren Verletzungen, die durch Unfälle (z. B. Zusammenstöße mit Fahrzeugen) oder Krankheiten entstanden sind und das Überleben in der Wildnis unmöglich machen gefunden werden

Wie helfe ich richtig?
– Abstand halten! Niemals einem verletzten, gefangenen oder geschwächten Bären nähern. Ein panischer Bär kann schwerwiegende Verletzungen verursachen
– Ruhe bewahren, vermeiden Sie hektische Bewegungen oder Schreie
– Füttern Sie den Bären auf keinen Fall. Dies gewöhnt Bären an Menschen („Problembären“), was oft zu ihrem Tod führt
– Kontaktieren Sie umgehend die örtliche Polizei, Forstbehörden, Wildhüter oder spezialisierte Tierschutzorganisationen
– Organisationen wie ⁠VIER PFOTEN oder der WWF unterstützen Bären in Not und arbeiten mit Fachleuten zusammen, um Tiere aus schlechter Haltung oder Notsituationen zu retten

Wenn Sie auf ein Tier in Not stoßen, ist Ihr eigener Schutz Priorität –
– Nicht rennen! Auf keinen Fall weglaufen, auch nicht bei einer Scheinattacke, da dies den Jagdinstinkt des Bären wecken kann
– Langsam und ruhig zurückziehen, ohne den Bären aus den Augen zu lassen
– Ruhig sprechen oder singen, damit der Bär uns als Menschen erkennt und nicht als Gefahr
– Keine Fotos, keine Gegenstände werfen und nicht versuchen das Tier zu vertreiben
– Sollte der Bär angreifen, flach auf den Bauch legen, Hände im Nacken verschränken und totstellen

Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Offizielle Wanderwege nutzen und dichte Vegetation und unwegsames Gelände nicht berteten
– Idealerweise in einer Gruppe wandern, da größere Gruppen mehr Lärm machen und von Bären eher gemieden werden, laut singen und Glöckchen an dem Rucksack tragen
– Hunde sollten immer an der Leine geführt werden, da sie Bären aufstöbern und im schlimmsten Fall wütend zu ihrem Besitzer zurückbringen können
– Auf frische Bärenspuren, Kot oder Aas achten
– Keine Lebensmittel, Reste oder Müll offen liegen lassen. Bären haben einen extrem guten Geruchssinn und werden von Essensgerüchen angezogen
– Deo, Zahnpasta und andere duftende Artikel sollten sicher verstaut werden (z. B. in einem baerensicheren Behälter)
– Bei Sichtung eines Bärenjungen, sofort und vorsichtig entfernen. Die Mutter ist in der Nähe und verteidigt ihre Jungen sehr aggressiv
– Mitführen von speziellen Bären-Abwehrsprays (auf Pfefferbasis) kann in Notsituationen wirksam sein

Was kann ich tun um Braunbären zu unterstützen?
– Patenschaft für Bären in Auffangstationen (z.B. im Bärenwald Müritz) übernehmen, um Futter und Pflege zu finanzieren
– Finanzielle Hilfe für Projekte, die Braunbären vor Wilderei und Lebensraumzerstörung bewahren, etwa in Rumänien
– Förderung von Organisationen, die GPS-Sendehalsbänder zur Erforschung und Schutzmaßnahmen finanzieren
– Der Tierpark Thale bietet eine Tierpatenschaft (500€/Jahr) für Braunbären an. Mit diesen Geldern werden anteilig Kosten für die Haltung und Modernisierung der Gehege investiert.
https://www.bodetal.de/fileadmin/user_upload/Bilder/Tierpark_Hexentanzplatz/Tierpatenflyer_April_2026.pdf



Über den Experten: caroline.schoch

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