Neozoen-Art
Invasive-Art
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Raubtiere
Familie: Hunde
Art: Marderhund (Waschbärhund, Tanuki, Enok, Obstfuchs, Seefuchs)
Geschichte: Die natürliche Heimat liegt in den wald- und gewässerreichen Regionen Ostasiens. Wegen seines dichten Fells wurde der Marderhund ab den 1920er-Jahren in der ehemaligen Sowjetunion als Pelztier gezüchtet und dort in großen Mengen ausgesetzt. Von Osteuropa aus wanderten die anpassungsfähigen Tiere selbstständig weiter nach Westen. Um 1960 erreichte der Marderhund erstmals deutsches Gebiet und gilt seither als Invasive Art bzw. Neozoon
Mythologie: …
Buchtipps:
– …
Beschreibung: Weiche Fell, beige-grau an den Flanken, an Bauch und Rücken schwarzbraun. Weißlichgraue Binde über der Augenpartie. Fuchsgroß, hundeartig. Backenbart
Kopf-Rumpf-Länge: 50cm – 68cm
Schulterhöhe: 20cm – 30cm
Gewicht: 4kg – 12kg
Herzfrequenz: 60 – 90 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 38°C – 39°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Mäßig ausgeprägt
Gehör: Sehr gut entwickelt, vergleichbar mit dem des Fuchses
Geruchsinn: Sehr gut ausgeprägt
Geschmackssinn: Genetische Untersuchungen zeigen, dass der Marderhund über mindestens 11intakte Gene für Bittergeschmacksrezeptoren (Tas2r-Gene) verfügt. Diese Sensibilität schützt ihn davor, bei seiner Nahrungssuche giftige Pflanzen, Beeren oder Amphibiensekrete zu fressen. Hundeartige Allesfresser besitzen Rezeptoren für Süßes, was ihnen hilft, energiereiche, reife Früchte, Beeren und Kastanien im Wald zu identifizieren. Wie bei den meisten Caniden ist der eigentliche Geschmackssinn auf der Zunge weniger differenziert als beim Menschen. Marderhunde orientieren sich bei der Nahrungssuche primär an ihrem extrem hochentwickelten Geruchssinn. Riecht etwas essbar, wird es meist ohne langes Zögern heruntergeschlungen. Durch diese Sinneskombination ist der Marderhund extrem unwählerisch. Seine Rezeptoren erlauben ihm ein breites Spektrum von Fleisch, Fisch, Insekten und Aas bis hin zu Obst, Blättern und sogar menschlichen Abfällen optimal zu verwerten
Sonstiges: Tasthaare (Schnurrhaare) an Maul und Backen, Jacobsonsches Organ
Lautäußerungen: Miauen und Winseln (alltäglichen Laute zur Kontaktaufnahme oder Unterwürfigkeit), Knurren (Gefahr, Bedrohung oder Angst), Heulende Schreie (Paarungszeit), Piepsen (Jungtiere)
Lebenserwartung: Bis zu 10 Jahre
Lebensraum: Feuchte, strukturreiche Lebensräume wie Auenlandschaften, Schilfufer, Laub- und Mischwälder, Kulturlandschaften, Wälder, bis zu einer Höhe von 500m anzutreffen
Nest: Ein Marderhund baut kein klassisches Nest, sondern nutzt als Unterschlupf und zur Jungenaufzucht vor allem unterirdische Baue. Am liebsten übernimmt das monogame Paar verlassene Dachs- oder Fuchsbauen oder gräbt in seltenen Fällen selbst einfache Röhrensysteme
Lebensweise: Lebenslange Paarbindung, dämmerungs- und nachtaktiv, sehr scheu
Fortbewegung: Zehengänger, ausgezeichnete Schwimmer, bewegen sich gern in feuchten Gebieten und Sümpfen, können bis zu 40km/h schnell laufen
Nahrung: Aas, Amphibien, Beeren, Eier, Eicheln, Fische, Früchte, Getreide, Insekten, Kröten, Mais, Maulwürfe, Nüsse, Obst, Schnecken, Spitzmäuse, Vögel, Vogeleier
Sonstiges: Sein Speichel kann das Hautgift von Kröten neutralisieren. Ernährung setzt sich in etwa wie folgt zusammen; Amphibien/Fischen ca. 31%, Aas ca. 27%, Pflanzen/Früchten ca. 16%, Vögeln ca. 14%, Kleinsäugern ca. 9%
Kot: Stark gedreht, wurstförmig und sehr kompakt. 8cm – 10cm lang, ca. 2cm dick. Fest bis klumpig. Da Marderhunde Allesfresser sind, finden sich oft Reste von Früchten, Beeren, Insekten oder kleinen Tieren. Marderhunde nutzen feste Gemeinschaftskotplätze (sogenannte Latrinen), an denen sich oft größere Mengen an Häufchen ansammeln
Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in verlassenen Fuchs- oder Dachsbauen, Wurzeln, Reisighaufen oder Schilfnestern, die bevorzugt in feuchten, deckungsreichen Laub- und Mischwäldern liegen geboren
Paarungszeit: Januar – Februar (Ranz)
Balzverhalten: Marderhunde leben in einer strengen, oft lebenslangen Monogamie. Die Partner verbringen die Zeit eng zusammen und schlafen oft im selben Bau
Tragzeit: 60 – 62 Tage
Wurfzeit: März – April
Wurfgröße: 6 – 10 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: 40 – 50 Tage
Selbstständig: 3 – 4 Monaten
Geschlechtsreife: 8 -10 Monaten
Jungensterblichkeit: …
Sonstiges: Arbeitsteilung bei der Aufzucht, während die Fähe nach Nahrung sucht, bleibt der Rüde bei den Welpen, während der ersten Wochen bewacht der Rüde überwiegend das Geheck und nimmt kaum Nahrung auf
Natürliche Feinde: Braunbären, Greifvögel, Luchse, Uhus, Wölfe
Abwehrverhalten: Übelriechendes Sekret zur Abwehr, knurrt, Totstellreflex (Thanatose – mit geöffneten Augen bleibt er starr liegen. Dieses Verhalten könnte eine Schutzwirkung gegenüber den vor allem auf Bewegung reagierenden großen Katzen im ursprünglichen Verbreitungsgebiet sein)
Krankheiten: Aujeszkysche Krankheit (Pseudotollwut), Fuchsband-, Haar (Capillaria spp.)-, Haken-, Hunde (Toxocara canis)-, Saug (Alaria alata)Spul- und Lungenwürmer (Capillaria aerophila), Leptospirose, Räude, Staupe, Trichinen, Tollwut, Zecken
Schutzstatus:
Keiner, da invasive Art
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Ja, ganzjährig, außer Fähen mit Jungtieren (Elterntierschutz)
Funktion im Ökosystem: Marderhunde sind Nahrungsopportunisten, das heißt, sie fressen, was gerade verfügbar ist. Aufgrund ihrer Ernährungsweise wird befürchtet, dass Marderhunde negativen Einfluss auf die Bestände von bodenbrütenden Vögeln (z.B. Kiebitz, Rebhuhn) sowie Sumpf- und Wasservögeln haben. Sie gelten zudem als Prädator von Gelegen und Schlüpflingen der Europäischen Sumpfschildkröte. Ähnlich wie der Dachs agieren sie als „Gesundheitspolizei“ im Wald, indem sie Aas beseitigen. Als Überträger von Parasiten (z. B. Fuchsbandwurm) und Krankheiten (z. B. Staupe, Leptospirose) können Marderhunde ein Infektionsrisiko für Wild-, Nutztiere und Menschen darstellen. Sie gelten jedoch als Hauptüberträger der Tollwut in Deutschland als unbedeutend, da das Land seit 2008 tollwutfrei ist. Als Neozoen ohne natürliche Feinde (außer Wölfen) besetzen sie Nischen, die teilweise mit heimischen Arten wie Fuchs oder Dachs konkurrieren könnten, wobei eine direkte Verdrängung wissenschaftlich noch nicht zweifelsfrei belegt ist
Marderhunde brauchen Hilfe, wenn …
– sie offensichtlich verletzt sind (z. B. nach einem Verkehrsunfall)
– Jungtiere gefunden werden, deren Mutter nachweislich tot ist (z. B. überfahren auf der Straße)
Wie helfe ich richtig?
– Niemals mit bloßen Händen anfassen, dicke Handschuhe, eine Jacke oder eine Decke benutzen. Ein verletzter Marderhund hat Schmerzen und kann beißen
– Tier von der Straße sichern, falls es dort liegt
– Da Marderhunde in Deutschland unter das Jagdrecht fallen, müssen Sie den örtlichen Jagdpächter oder die Polizei kontaktieren, die den Jagdpächter informiert. Auch Wildtierstationen können helfen
– Wenn möglich, das Tier vorsichtig in eine gut belüftete Box (z.B. ein Karton mit Luftlöchern, ausgelegt mit einem Tuch) setzen
– Ein verletztes Tier leidet oft unter Schock und braucht Wärme
– Kein Futter oder Wasser geben, um seinen Zustand nicht zu verschlechtern
– Fundort leise und dunkel halten, um Stress zu vermeiden
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Hunde und Katzen nicht draußen füttern
– Mülltonnen mit einem Schloß sichern
– Nicht füttern, dies führt dazu, dass sie ihre Scheu verlieren und immer wiederkommen
– Marderhund immer einen Fluchtweg lassen. Obwohl sie selten aggressiv sind, können sie sich in die Enge getrieben verteidigen
Marderhund – Nyctereutes procyonoides
