A B D E F G H I K L M N R S T W Z
Ei El

Elch – Alces alces

Einheimische – Art

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Paarhufer
Familie: Hirsche
Art: Elch

Geschichte: Der heutige Elch hat sein evolutionäres Ursprungsgebiet vor etwa 60.000 Jahren in Zentralasien. Von dort aus breitete er sich über die nördliche Hemisphäre aus, wobei amerikanische Vorfahren während der letzten Eiszeit über die Beringbrücke nach Alaska vordrangen. Vor rund 12.000 Jahren wanderten Elche nach Nordamerika und in den Norden Europas aus. Die größten Populationen finden sich in Schweden, Norwegen, Finnland und Russland, aber auch in Polen und dem Baltikum. Vereinzelt wandern immer wieder junge Elche aus Polen nach Brandenburg oder Sachsen ein

Mythologie:

Buchtipps:
– …

Beschreibung: Rumpf dunkelbraun bis schwarz gefärbt, Beine hellgrau und sehr lang. Elchkühe haben an der Innenseite der Hinterläufe helle Streifen. Elchkälber rötliches Fell, das nach ein paar Monaten zur typischen Elchfärbung übergeht. Im Winter bietet das Fell durch die dichte Unterwolle und die schützenden Deckhaare eine perfekte Isolation. Elchtypischer Schulterbuckel. Langgestreckter Kopf mit der verlängerten Nase (Elchmuffel) und Kehlbart (Wamme)
Kopf-Rumpf-Länge: 240cm – 300cm
Schulterhöhe: 170cm – 230cm
Gewicht: 200kg – 800kg
Herzfrequenz: 70 – 90 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 38,6°C

Sinnesleistung:
Sehvermögen: Nimmt Bewegungen gut wahr, sieht aber insgesamt eher schlech
Gehör: Große, löffelförmige Ohren (Lauscher) können unabhängig voneinander in alle Richtungen gedreht werden. Nimmt niedrigfrequente Laute hervorragend wahr und kann Geräuschquellen aus einer Entfernung von bis zu 3 km genau orten
Geruchsinn: Sehr gut entwickelt, kann besser wittern als Hunde. Aufgrund der besonderen Form ihrer Nasenlöcher können sie Witterung auch von hinten aufnehmen
Geschmackssinn: Der Geschmackssinn auf der Zunge erkennt süße, saure, salzige oder bittere Stoffe direkt im Mund.Lange, weiche Lippen greifen gezielt nach Blättern und Knospen, während die Zähne und der Geschmackssinn die Qualität prüfen
Sonstiges: Jacobsonsches Organ
Lautäußerung: Fiepen (hilfloses Rufen neugeborener Kälber, Brüllen, tiefes, lautes Rufen der Bullen ( Brunft), Knurren (Droh- oder Warnlaut bei Gefahr oder Störung), Schmatzen/Stöhnen (Kontakthalten zwischen Mutter und Kind)

Lebenserwartung: Bis zu 27 Jahre
Lebensraum: Nadel- und Laubmischwäldern, Weiden- und Birkengebüsche, Flussauen, Tundra- oder Strauchzone
Nest: Elche bauen keine Nester. Wenn Jungtiere geboren werden, geschieht dies direkt auf dem Waldboden im Schutz von Büschen oder Bäumen
Lebensweise: Einzelgänger, tagaktiv, Außentemperaturen von -50 °C sind für sie kein Problem. Bei Temperaturen von +10 °C bis -20 °C fühlen sie sich am wohlsten. Wird es zu warm, leiden sie an Hitzestress. Dann ziehen sie in die kühleren Gebirge. Elche sind wärmeempfindlich, wobei die Bewegungsaktivität ab einer Umgebungstemperatur von über +14 °C abnimmt. Ortstreu

Fortbewegung: Elche lieben Wasser. Er kann kilometerweit in Seen und Flüssen schwimmen. In Gewässern gehen sie auch auf Nahrungssuche. Beim Tauchen schließen sie ihre Nasenlöcher. Ihre langen Beine und die spreizbaren Hufe sind gute Helfer im sumpfigen Gelände. Bis zu 60km/h schnell. Kann bis zu 5,5 m tief tauchen
Nahrung: Besenheide, Blaubeerreisig, frisches Laub (Pappeln, Birken, Weiden), junge Baumtriebe, junge Kieferntriebe, Wasserpflanzen
Sonstiges: Elche sind die einzigen Hirsche, die auch unter Wasser äsen können. Der Pansen ist verhältnismäßig klein, da die energiereiche Nahrung schnell verdaut wird. Er benötigt bis zu 30kg Nahrung am Tag. Für die Nahrungsaufnahme verwenden er täglich 8 – 10 Stunden, verteilt auf viele kleine Mahlzeiten. Elche sind wie alle Hirsche Wiederkäuer, sie besitzen einen Magen mit 4 Kammern, in denen Mikroorganismen die schwer verdaulichen Pflanzenteile vorverdauen, bevor der Nahrungsbrei hochgewürgt, erneut durchgekaut und dann wieder abgeschluckt wird
Kot: Winterlosung – Feste, trockene und gut voneinander getrennte ovale Bälle (sehen oft aus wie kleine Eier oder große Bohnen), da der Elch im Winter hauptsächlich holzige Pflanzenteile und Rinde frisst. Sommerlosung – Weicher und feuchter durch das Fressen von saftigen Blättern und Kräutern; die einzelnen Kügelchen kleben dadurch oft zu Klumpen oder Haufen zusammen. Ein einzelner Köttel hat etwa die Größe einer Mandel (ca. 2 bis 3 cm lang

Fortpflanzung: Nestflüchter, werden an ruhigen, gut versteckten Orten in dichten Nadelwäldern, Baumgruppen oder auf kleinen Waldinseln in Sumpfgebieten geboren. Die Elchkuh wählt hierfür einen festen Untergrund und trennt sich zur Geburt von anderen Artgenossen
Paarungszeit: September – Oktober
Balzverhalten: In dieser Zeit geben Elchkühe klagende Stöhnlaute von sich, um Bullen anzulocken und Rivalen gegeneinander aufzuhetzen. Die Bullen kämpfen mit ihren Geweihen um die Männchen-Dominanz
Tragzeit: 226 – 264 Tage
Wurfzeit: Mai – Juni
Wurfgröße: 1 – 3 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: Ca. 5 Monate
Selbstständig: Ca. 1 Jahr
Geschlechtsreife: 16 – 17 Monate
Jungensterblichkeit:
Sonstiges: 4 Zitzen, säugt bis zu achtmal am Tag

Natürliche Feinde: Braunbären, Wölfe
Abwehrverhalten: Nach der Geburt gelten Elchkühe als sehr gefährlich. Menschen, die ihnen zu nahe kommen, attackieren sie mit ihren Hufen. Dabei kam es zu tödlichen Unfällen kommen. Aggressive Elche legen die Ohren an, sträuben das Fell im Nacken, scharren mit den Hufen oder senken den Kopf. Sie stampfen und treten mit allen vier Füßen, besonders wenn sie sich bedroht fühlen oder Jungen verteidigen. Sie stellen sich oft gegen den Wind und lassen Gegner nicht aus den Augen. Ein Elch kann bei Bedrängnis Menschen angreifen, verfolgen und ist oft gefährlicher als ein Bär
Krankheiten: Chronic Wasting Disease (CWD / „Zombie-Krankheit“), Leberegel, Milben, Rund-, Peitschen- und Hundebandwürmer, Wasting-Syndrome-Complex (WSC / Älvsborg-Krankheit), Zecken

Schutzstatus:

Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Ja

Funktion im Ökosystem: Durch den Verbiss von jungen Bäumen, Rinde und Wasserpflanzen kontrollieren Elche das Wachstum dominanter Pflanzenarten. Dies schafft Raum für lichthungrige Kräuterarten und trägt dazu bei, Brachflächen länger offen zu halten. Mit ihrem selektiven Fraßverhalten, insbesondere an jungen Trieben, beeinflussen sie die Waldstruktur. Ihre Fähigkeit, Pflanzen bis zu 3m Höhe zu beäsen, ist einzigartig unter den Schalenwildarten. Beim Fressen von Wasserpflanzen, bei dem sie auch tauchen können, beeinflussen sie die Struktur von Gewässern. Durch ihre Bewegungen und ihr Ausscheidungsverhalten tragen sie zur Nährstoffverteilung in ihrem Lebensraum bei. Elche tragen zur Samenverbreitung bei, da sie Pflanzensamen über weite Distanzen im Fell transportieren. Als große Säugetiere dienen sie als Beutetier für Fressfeinde. Studien, wie in Norwegen, zeigen, dass Elche durch den Verbiss von Jungbäumen einen überraschend großen Einfluss auf die CO2-Bilanz von Wäldern haben können

Elche brauchen Hilfe, wenn …
– sie schwer verletzt oder krank sind (Unfälle, Teilnahmslosigkeit, extrem abgemagerter Zustand, …)
– sie sich in menschengemachten Gegenständen wie Zäunen, Netzen oder Plastik verfangen haben
– sie in Schächte, Pools oder ähnliches fallen

Wie helfe ich richtig?
– Bleiben Sie mindestens 30m – 50m entfernt. Elche können sich bedroht fühlen und aggressiv reagieren, besonders wenn sie verletzt sind
– Vermeiden Sie hektische Bewegungen und laute Geräusche
– Starren Sie das Tier nicht an, da dies als Herausforderung gewertet werden kann
– Hunde sofort anleinen oder im Auto lassen
– Polizei oder Notruf verständigen: Diese können den örtlichen Förster oder Wildtierhilfe verständigen. Standort genau beschreiben
– Beobachten Sie aus sicherer Entfernung, ob das Tier sich selbst befreien kann
– Wenn Sie das Tier beruhigen können, sprechen Sie leise
– Versuchen Sie nicht, auf Eisflächen zu gehen. Warten Sie auf die Feuerwehr

Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Sicherheitsabstand von mindestens 15m – 30m (etwa 3 – 4 Wagenlängen) zu Elchen halten
– Keine hektischen Bewegungen und keinen Lärm erzeugen
– Einen großen Baum, ein Fahrzeug, ein Gebäude oder einen Zaun zwischen sich und den Elch zu bringen
– Wenn ein Elch Sie anstarrt oder sich Ihnen nähert, weichen Sie langsam zurück
– Nicht füttern!!!
– Hunde können Elche provozieren was zu einem Angriff führen kann

Verhalten bei einem Angriff:
Falls ein Elch angreift, sollte man wegrennen und versuchen, sich hinter einen Baum oder ein Hindernis zu bringen. Wenn der Elch einen zu Boden wirft, macht man sich zu einer Kugel, schützt den Kopf und wartet, bis sich das Tier zurückgezogen hat

Was kann ich tun um Elche zu unterstützen?
– Bei Sichtung eines verletzten oder verirrten Tier (wie den bekannten Emil), Meldung an lokale Forst- oder Nationalparkverwaltung geben
– In Elchgebieten besonders vorsichtig fahren, da Zusammenstöße schwerwiegend sein können
– Ruhezonen im Wald respektieren und die Tiere nicht stören



Über den Experten: caroline.schoch

Zur Webseite des Experten »