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Gams – Rupicapra rupicapra

Einheimische – Art
Wildtier des Jahres 2012 – Schutzgemeinschaft Deutsches Wild

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Paarzeher
Familie: Hornträger
Art: Gams (Gamswild, Krickelwild)

Beschreibung: Sommerfell blassbraungelb bis braunes Fell mit einem deutlichen schwarzen Aalstrich auf dem Rücken. Winterfell dunkelbraun mit feiner Unterwolle, lange Haare entlang der Rückenlinie (verwendet als Trophäe für den „Gamsbart“). Stirn, Wangen und Kinn weiß mit dunklen „Zügelstreifen“ von der Oberlippe über die Augen bis zum Hornansatz. Beide Geschlechter tragen Hörner (Krickel oder Krucken). Kräftiger, gedrungener Körperu. Schlanker Hals. Zur Schnauze hin stark verschmälerter, kurzen Kopf
Kopf-Rumpf-Länge: 110cm – 140cm
Schulterhöhe: 70cm – 90cm
Schwanzlänge: Ca. 8cm
Gewicht: 24kg – 50kg
Herzfrequenz: … Schläge pro Minute
Körpertemperatur: … °C

Sinnesleistung:
Sehvermögen: Gut
Gehör:
Geruchsinn: Gut
Sonstiges: Zwischenzehendrüsen und „Brunftfeigen“ hinter der Hornbasis, die vor allem während der Brunft Sekret abgesondern und an Zweigen abgestreift wird. Jacobsonsches Organ

Lebenserwartung: Ca. 15 – 22 Jahre
Lebensraum: Typische Wildart im Hochgebirge in der Matten- und Latschenkieferregion, an der Baumgrenze, im Wald, Geröllfelder, Felswände, felsnahe Wiesen. Große Bedeutung hat die Hangrichtung und Hangneigung (schneefreie Stellen und Sonneneinstrahlung!). In einer Höhe von bis zu 2.500m anzutreffen
Lebensweise: Mittelalte Böcke bilden Bockrudel (3 – 6 Böcke suchen erst im Spätsommer eine Herde auf), alte Böcke sind Einzelgänger (Geraffel), Geißrudel mit Kitzen, das von alter Leitgams geführt wird, Tagaktiv, sehr futterneidisch – äsen im Abstand zu Artgenossen. Neben dem Aufstellen ihres Gamsbartes als Imponiergehabe während der Brunft ist das „Blädern“ der typische Brunftlaut des Bockes, um sich einer Geiß anzunähern

Fortbewegung: kann hervorragend klettern, da die Füße mit harten Schalenrändern und elastischer Sohle ausgerüstet und die Zehen weit spreizbar sind. Springen bis zu 2m hoch und 6m weite. In abschüssigem Gelände bis zu 50 km/h schnell. Durch einen ungewöhnlich hohen Anteil roter Blutkörperchen wird ihr Körper auch bei hoher körperlicher Leistung mit ausreichend Sauerstoff versorgt. Das Besondere ist ihr Herz: Ein Gämseherz hat ein sehr großes Volumen und sein Muskel ist wesentlich dicker als bei „Flachlandsportlern“, wie etwa dem Reh. Dadurch überstehen Gämsen wenn nötig bis zu 200 Herzschläge pro Minute
Nahrung: Saftige, eiweißreiche Gräser und Kräuter, trockene Gräser, Moose, Flechten, Bergkiefernadeln, Triebe, Knospen, Blätter, Alpenrosen, Erlen, Weiden, Wacholdern, Kiefern
Sonstiges: Wiederkäuer. Gämsen nutzen die frühen Morgen- und Vormittags- sowie die Abendstunden zur Nahrungsaufnahme

Fortpflanzung: Nestflüchter, werden im abgelegenen, ruhigen und unzugänglichem Felsgelände geboren
Paarungszeit: Oktober – Dezember
Tragzeit: Ca. 6 Monate
Wurfzeit: Mai – Juni (Geiß setzt sich kurz vor der Geburt vom Rudel ab)
Wurfgröße: 1 – 3 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: 3 – 6 Monate
Selbstständig: Ca. 6 Monate
Geschlechtsreife: Ca. 2 – 3 Jahre
Jungensterblichkeit:

Natürliche Feinde: Wölfe, Braunbären, Steinadler und Uhus für Kitze
Abwehrverhalten: „Pfeifen“ als Warnlaut z.B. für die Kitze beim Anflug von Steinadlern , „Meckern“ als Angst- und Suchlaut
Krankheiten: Gamsblindheit (Infektiöse Keratokonjunktivitis – IKK/IKC), Gamsräude, Leberegel, Sarcocystis spp., Würmer, „Alpine Chamois Encephalitis Virus“ (ein Zecken-Flavivirus), Moderhinke

Schutzstatus:
FFH-Art – Anhang V
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Ja

Funktion im Ökosystem: Als Charakterart der Gebirgswelt nutzt die Gams im Jahresverlauf unterschiedliche Habitate vom Wald bis in den Felsbereich, wodurch sie Nährstoffe zwischen diesen Bereichen transportiert. Sie ernährt sich von Gräsern, Kräutern, Moosen, Flechten sowie Knospen von jungen Waldbäumen. Durch das Grasen beeinflusst sie die Vegetation. Im Bergwald kann ein zu hoher Bestand an Gämsen durch Verbiss (insbesondere von jungen Bäumen) den Waldumbau beeinflussen. Dieser „Verbiss“ ist besonders in Schutzwäldern ein wichtiges forstliches Thema. Die Gams ist Teil der Nahrungskette und dient als Beute für ihre Fressfeinde. Die Gams reagiert empfindlich auf Umweltveränderungen. Steigende Waldgrenzen durch Klimaerwärmung und zunehmender Tourismus (Besucherdruck) führen zu einer Verkleinerung ihres optimalen Lebensraums

Gämse brauchen Hilfe, wenn …
– sie sichtbar verletzt ist (z.B. durch einen Verkehrsunfall oder Stacheldraht)
– ein kleines Gamskitz einsam und laut rufend über einen längeren Zeitraum (mehrere Stunden) beobachtet wird
– Tiere in sehr schneereichen Wintern so tief im Schnee stecken, dass sie sich nicht mehr bewegen können. Hier sollte jedoch nie direkt eingegriffen, sondern immer der örtliche Jäger oder der Förster informiert werden, da Wildtiere durch falsche Hilfe sterben können

Wie helfe ich richtig? (GAMS-Regel für Notfälle)
G – Gefahr erkennen: Zuerst die Lage einschätzen. Ist das Tier wirklich in Gefahr (z.B. verletzt, eingeklemmt) oder nur in seinem natürlichen Lebensraum, der für Menschen gefährlich wirkt?
A – Absperren / Absichern: Die Unfallstelle weiträumig absichern, um keine weiteren Personen oder Tiere zu gefährden. Ruhe bewahren und Abstand halten, um das Tier nicht zu stressen
M – Menschenrettung / Maßnahme Vorrang hat die eigene Sicherheit. Nur wenn möglich, erste Hilfe leisten, ohne sich selbst in Lebensgefahr zu bringen. Bei Tieren bedeutet das oft: Beobachten, nicht anfassen, um panische Reaktionen zu vermeiden
S – Spezialkräfte anfordern: Polizei, Förster oder Wildtier-Rettungsdienste verständigen. Diese können mit Fachwissen und Ausrüstung helfen

Wichtige Hinweise:
Keine eigenmächtigen Rettungsversuche im unwegsamen Gelände, das ist lebensgefährlich
Abstand halten: Eine verletzte Gams ist ein Wildtier und kann beißen oder treten
Standort merken: Den genauen Ort des Tieres (GPS-Daten, markante Punkte) an die zuständigen Stellen weitergeben

Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Auf markierten Wanderwegen und Routen bleiben. Gämsen meiden Orte, an denen Menschen vorhersehbar sind
– Beobachten nur aus großer Entfernung. Besonders im Spätherbst, wenn sie ihre Winterdecke angelegt haben, sind sie extrem empfindlich
– Hunde sollten in Gamswildgebieten unbedingt an der Leine geführt werden, um die Tiere nicht aufzuschrecken
Laute Geräusche und abrupte Bewegungen vermeiden
– Nicht füttern
– Auf Hinweise zu Schutzwäldern und Ruhezonen achten, insbesondere im Winter, da die Tiere dort Rückzugsorte benötigen

Was kann ich für die Gams tun?
– Initiativen, die sich für den Schutz der Gämse einsetzen, wie zum Beispiel Projekte der Deutschen Wildtier Stiftung oder Wildes Bayern e.V., die sich für die Stabilisierung der Bestände einsetzen unterstützen

Buchtipps:
– …

Mythologie:

Über den Experten: caroline.schoch

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