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Wildkatze – Felis silvestris

Einheimische – Art
Tier des Jahres 2018 – Deutsche Wildtier Stiftung


Klasse: Säugetiere
Ordnung: Raubtiere
Familie: Katzen
Art: Europäische Wildkatze (Waldkatze)

Beschreibung: Fell verwaschen gelblich-braun über rötlich-grau bis silbergrau. Bauchseite oft heller gelblich. 4 – 6 schwarze, vorn meist unterbrochenen Längsstreifen auf Kopf und Nacken und unterbrochenen Querbinden auf Rücken und Flanken. Durchgängiger, schwarzer (Aal-)Strich, der an der Schwanzwurzel endet. Rücken und Körperseiten verwaschenen gestreift. Kurzer, dicker Schwanz (Rute), mit drei- bis fünfacher Ringelung und stumpfem Ende, mit schwarzer Spitze. Schwarzer Fleck an den Hinterläufe, Nase fleischfarben, weiße Schnurrhaare, weißer Kehlfleck
Kopf-Rumpf-Länge: 47cm – 68cm
Schulterhöhe: Ca. 40cm
Schwanz: 25cm – 32cm
Gewicht 2,kg – 8kg
Herzfrequenz: 120 – 180 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 38°C – 39,2°C

Sinnesleistung:
Sehvermögen: Sehr stark. Pupillen öffnen sich bei Nacht weit (Multifokale Pupillen)
Gehör: Sehr stark. Kann Ohrmuscheln unabhängig voneinander bewegen, Frequenzbereiche bis zu 100 kHz
Geruchsinn: Gut ausgeprägt
Sonstiges: Schnurrhaare gelten als 6. Sinn, sehr intelligent, äußerst kurze Reaktionszeiten, körperlich stark und dennoch sehr beweglich, Jacobsonsches Organ

Lebenserwartung: Ca. 7 – 14 Jahre
Lebensraum: Strukturreiche Laub- und Mischwälder mit Lichtungen, Waldwiesen, Unterholz, Küsten, Sumpfgebiete, Auwäldern, nicht zu hoch gelegene Südlagen mit viel Unterholz und Felspartien, in Hecken, an Wegränder und Ufern von Fließgewässer
Lebensweise: Territorialer Einzelgänger, Dämmerungs- und Nachtaktiv,
äußerst scheu, Lauer- und Schleichjäger, miaut, schnurrt, knurrt (Drohlaut), heiseres Schreien (Paarungslaut), faucht, Ortstreu, Pirschjäger, die ihre Beute unbemerkt anschleichen und durch einen Überraschungsangriff mit einem Sprung fassen, freilebende Tiere meiden den Menschen und kehren niemals an Verstecke zurück, die Menschen entdeckt haben

Fortbewegung: Flinke Jägerin, bis zu 50km/h schnell, klettert gut
Nahrung: Wühlmäusen, Rötelmäuse, Spitzmäuse, Waldmäuse, Ratten, gelegentlich Vögel, junge Kaninchen, junge Hasen, Eichhörnchen, Eidechsen, Fische, Frösche, Insekten
Sonstiges: Benötigt ca. 10-19 Mäuse pro Tag, Darmlänge beträgt das vierfache der Körperlänge, wird die Beute nicht sofort gefressen, so wird sie in dichter Vegetation, unter Laub oder in anderen Verstecken bis zum Verzehr verwahrt

Fortpflanzung: Nesthocker, werden in Baumhöhlen, Reisighaufen, Erdbauen, Felsnischen, unter umgestürzten Bäumen (Totholz) oder in verlassenen Bauen anderer Tiere geboren
Paarungszeit: Januar – März (Ranz)
Tragzeit: 60 – 69 Tage
Wurfzeit: März – Juni (September)
Wurfgröße: 1 – 7 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 – 2 Würfe pro Jahr
Säugezeit: 4 – 7 Wochen
Selbstständig:
4 – 5 Monate
Geschlechtsreife: Ca. 10 Monate
Sonstiges: Hybridisierung mit Hauskatzen möglich (Blendlinge), diese wird als große Gefährdung der Art angesehen

Natürliche Feinde: Luchse, Wölfe, für junge Wildkatzen Uhus, Seeadler, Steinadler, Habichte, Füchse, Marder, Greifvögel
Abwehrverhalten: Versteckt sich und zieht sich unauffällig zurück, macht bei Angriff einen Buckel, stellt Fell auf, faucht, peitscht mit dem Schwanz
Krankheiten: Parvovirus (FPV), Katzenschnupfen, Feline Leukose (FeLV), Feline Infektiöse Peritonitis (FIP), Flöhe, Zecken, Milben

Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz – Besonders geschützt
– FFH-Richtlinie – Anhang IV
– Rote Liste – Gefährdet
Es ist verboten, Wildkatzen zu fangen, zu töten, zu verletzen oder ihre Lebensstätten zu zerstören. Es drohen bei Verstoß 50.000 € Strafe oder bis zu 5 Jahre Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Ja, aber ganzjährig geschont

Funktion im Ökosystem: Die Wildkatze ist ein Hauptvertreter der Karnivoren im Wald und ernährt sich hauptsächlich von Mäusen und anderen kleinen Säugetieren (polyphag). Durch die Jagd verhindert sie eine übermäßige Vermehrung der Nager. Als Leitart für den Waldverbund steht sie stellvertretend für andere waldgebundene Arten mit großem Raumbedarf, wie den Luchs oder den Baummarder. Ihr Vorkommen weist auf strukturreiche, alte Laubmischwälder mit Totholz hin, die für die Biodiversität entscheidend sind. Als Endkonsument (Spitzenprädator) im Wald stabilisiert sie das Nahrungsgefüge. Durch Schutzmaßnahmen für die Wildkatze, wie die Vernetzung von Wäldern durch grüne Korridore, profitieren viele andere Arten

Wildkatzen brauchen Hilfe, wenn …

– as Tier sichtbar verletzt ist (humpelt, blutet), lethargisch wirkt oder orientierungslos ist
– Jungtiere über längere Zeit (mehrere Stunden) laut schreien, schwach wirken oder die Mutter definitiv tot ist

Wie helfe ich richtig?

– Im Frühjahr (ab April) werden junge Wildkatzen oft fälschlicherweise für verlassen gehalten, während die Mutter nur auf Jagd ist. Lassen Sie das Tier absolut in Ruhe, halten Sie Abstand und entfernen Sie sich leise
– Wildkatzen sehen getigerten Hauskatzen sehr ähnlich, haben aber oft einen kürzeren, stumpferen Schwanz mit schwarzen Ringen und einen helleren Nasenspiegel
– Wildkatzen sind Wildtiere. Ein direkter Kontakt ist für Mensch und Tier gefährlich (Verletzungsgefahr, Übertragung von Krankheiten)
– NICHT füttern!!!
– Kontaktieren Sie umgehend eine lokale Wildtierstation, den Jagdpächter, den Förster oder die Polizei, um den Fundort zu melden. Diese planen dann den nächsten Schritt fachgerecht
– Warten Sie auf Experten. Wenn das Tier in direkter Gefahr (z.B. auf der Straße) ist, sichern Sie es nur mit Handschuhen oder einer Decke, um sich vor Bissen zu schützen
– Auch tote Wildkatzen sollten der Polizei oder dem Wildtierbeauftragten gemeldet werden, da sie für Forschungszwecke wertvoll sind
– Ein gesundes Wildkätzchen mitzunehmen, senkt seine Überlebenschancen drastisch, da es kein normales Katzenfutter verträgt
– Wildkatzen lassen sich nicht zähmen

Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Wildkatze genug Raum zur Flucht lassen, anstatt sie zu bedrängen oder zu verfolgen
– NICHT füttern, dies macht sie zutraulich und abhängig, was zu gefährlichen Situationen führen kann
– Der wichtigste Schutz ist die Kastration von Freigänger-Hauskatzen. Dies verhindert die Vermischung mit der Wildkatzenpopulation (Hybridisierung), die deren genetische Eigenständigkeit bedroht
– Hauskatzen impfen lassen. Hauskatzen können Krankheiten übertragen, die für Wildkatzen oft tödlich enden
– Keine unnötigen Anreize in Waldnähe, wie offene Futterstellen, die Wildtiere in die Nähe von Menschen lock geben. In der Regel kümmern sich die zuständigen Jäger/Förster in Notzeiten gut und artgerecht um die Wildtiere

Was kann ich tun um Wildkatzen zu unterstützen?
– Mit Spenden Wanderkorridore für die scheuen Tiere schaffen
– Wildkatzenbotschafter*in werden, um Aufklärungsarbeit zu leisten, Lockstöcke zu kontrollieren oder Haarproben für genetische Untersuchungen zu sammeln
– Heimische Sträucher wie Schlehe, Weißdorn oder Haselnuss pflanzen
– Tot oder verunglückte Tiere, die wie eine Wildkatze aussehen, liegen lassen und den Fundort (GPS) der lokalen BUND-Geschäftsstelle oder der Unteren Naturschutzbehörde melden
– Katzenhalter sollten ihre Tiere konsequent kastrieren lassen, um Paarungen zwischen Haus- und Wildkatze zu verhindern
– Der Tierpark Thale bietet eine Tierpatenschaft (200€/Jahr) für Wildkatzen an. Mit diesen Geldern werden anteilig Kosten für die Haltung und Modernisierung der Gehege investiert.
https://www.bodetal.de/fileadmin/user_upload/Bilder/Tierpark_Hexentanzplatz/Tierpatenflyer_April_2026.pdf
– Das Wildkatzengehege in Bad Harzburg mit einem Besuch unterstützen
https://niedersachsen.nabu.de/wir-ueber-uns/organisation/besucherzentren/wildkatzengehege/index.html

Buchtipps:
Europas kleine Tiger – Das geheime Leben der Wildkatze von Christine Sonvilla

Mythologie: Bereits vor 5.000 Jahren schützten Katzen in Ägypten die Kornspeicher vor Mäusen. Die ägyptische Mondgöttin Baste wird als Frau mit Katzenkopf dargestellt. Unzählige Katzen wurden hier einbalsamiert. In Indien gilt die Katze als Verkörperung von Shasti, der Schutzgöttin von Geburt und Mutterschaft. Die Jagdgöttin Diana wurde ebenfalls von einer Katze begleitet. Zwei Katzen zogen auch den Wagen der Göttin Freya. Im Mittelalter wurden Katzen als Teufel in Katzengestallt vermutet und barbarisch getötet. Um 1.400 wurde aus dem Orient die Pest über Wanderratten eingeschleppt, doch es waren nur noch wenige Katzen zur Bekämpfung da. So wandte sich ihr Ruf ins positive. Katzen wird nachgesagt, dass sie Erd- und Wasserstrahlen lieben und auch gut ausmachen können

Über den Experten: caroline.schoch

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