Klasse: Säugetiere
Ordnung: Nagetiere
Familie: Hörnchen
Art: Eurasisches Eichhörnchen (Eichkätzchen, Eichkatz(er)l, Eichkater, Eicher(li) (Schweiz), Eichhase (Österreich), Baumfuchs (Hessen), Konradchen (Nassau), Eichhalm (Württemberg), niederdeutsch Katteker (Katzeicher) und Ekenaape (Eichenaffe)
Beschreibung: Oberseite hellrot bis braunschwarz. Bauch weiß bis cremefarben, sauber abgegrenzt vom Rückenfel. Im Winterfell Ohrpinsel von bis zu 3,5cm Länge, diese sind im Sommerfell klein oder nicht vorhanden. Außerdem sind die sonst nackten Fußsohlen im Winter behaart. Buschiger Schwanz
Kopf-Rumpf-Länge: 20cm – 33cm
Schwanzlänge: 15cm – 22cm
Gewicht: 200g – 480g
Herzfrequenz: 250 – 500 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 36,4°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Sehr gut entwickelt, kann räumlich sehen
Gehör: Äußerst sensibel
Geruchsinn: Sehr fein, riecht Nüsse in 30cm Tiefe
Sonstiges: Vibrissen (Tasthaare) an Schnauze, Augen, Beinen, Bauch und Schwanzwurzel. Exzellenter Gleichgewichtssinn. Verfügt über ein gutes Erinnerungsvermögen. Jacobsonsches Organ
Lebenserwartung: Ca. 2 – 7 Jahre
Lebensraum: Laub-, Nadel- und Mischwälder mit altem Baumbestand, Gärten, Parks
Lebensweise: Einzelgänger, Tagaktiv,
sammelt im Herbst stetig Kerne und Nüsse und vergräbt diese im Boden oder in Baumspalten. Die Kobel haben mindestens zwei Schlupflöcher, von denen eines immer als Notausgang nach unten weist
Fortbewegung: Bis zu 26km/h schnell. Klettert sehr gut. Springt 4m – 5m weit. Schwanz dient beim Klettern als Balancierhilfe und beim Springen als Steuerruder. Sohlengängern. Hat an den Vorderpfoten vier lange, sehr bewegliche, mit langen gebogenen Krallen ausgestattete Finger. Den verkümmerten Daumen haftet ein winziger Nagelrest an. Die Hinterbeine sind überproportional lang, sehr kräftig und haben jeweils fünf Zehen. Bewegt stoßweise, sehr schnell und präzise
Nahrung: Beeren, Früchte, Sämereien, Knospen, Rinde, Baumsaft, Blüten, Flechten, Körner, Pilze, Obst, Würmer, Jungvögel, Vogeleier, Insekten, Larven, Haselnüsse, Walnüsse, Ahorn-, Bucheckern-, Kiefern-, Tannen- und Fichtensamen, Esskastanien, junge Triebe, Käfer, Sonnenblumenkerne, Blätter, Eicheln, Löwenzahn, Hagebutten
Sonstiges: Nahrung wird beim Fressen in den Vorderpfoten gehalten. Benötigt bis zu 100 Fichtenzapfen pro Tag; durchschnittlich täglich 80g – 100g
Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in Kobeln (kugeliges Nest aus Zweigen, Reisig und Laub, meist 6-15m hoch, in Astgabeln, innen mit Moos, Federn und Gras gepolstert und zwei Ausgängen zur Flucht) geboren
Paarungszeit: Dezember – Januar und Mai – September
Tragzeit: Ca. 36 – 42 Tage
Wurfzeit: Februar – September
Wurfgröße: 1 – 6 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 2 Würfe pro Jahr
Säugezeit: 8 – 10 Wochen
Selbstständig: 8 – 12 Wochen
Geschlechtsreife: Ca. 8 – 12 Monate
Jungensterblichkeit: Sehr hoch, bis 80%
Natürliche Feinde: Baummarder, Wildkatzen, Uhus, Eulen, Greifvögel, Wiesel, Hauskatzen, Rabenvögel, Grauhörnchen (überträgt Virus, was unsere Eichhörnchen töten kann)
Abwehrverhalten: Plustert Schwanz auf und schlägt ihn hin- und her, nutzt die scharfen Nagezähne zur Verteidigung
Krankheitsüberträger: Eichhörnchenfloh, Eichhörnchenlaus, Zecken, Lepra, Adenovirus
Schutzstatus:
– Bundesartenschutzverordnung – Besonders geschützt
– Bundesnaturschutzgesetz
Es ist verboten Eichhörnchen zu fangen, zuhause als Haustier zu halten, zu verletzen, zu töten oder Niststätten (Kobel) zu zerstören. Es drohen bei Verstoß 50.000€ – 65.000€ Strafe bis zu 3-5 jähriger Haftstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein
Eichhörnchen brauchen Hilfe, wenn …
– sie verletzt sind (bluten, humpeln, geschwächt wirken)
– sie von der Katze mitgebracht werden
– sie sich Menschen nähert oder an den Hosen hoch klettern
– kleine, oft noch nackte oder leicht behaarte Eichhörnchenm außerhalb des Nests (Kobel) gefunden werden
Wie helfe ich richtig?
– Handschuhe anziehen (Eigenschutz)
– Karton mit Luftlöcher versehen und mit Handtuch oder Kuscheldecke auslegen
– Wärmflasche (Körperwarm) in ein Handtuch wickeln und diese in den Karton legen
– Eichhörnchen vorsichtig mit einem Tuch in den Karton setzen
– Bitte KEIN Futter anbieten!!!
– Wasser darf in einer flachen Schale angeboten werden, bitte KEIN Wasser in das Eichhörnchen eingeben!!!
– Keine Medikamentengabe, auch kein Flohmittel!!!
– Ruhig und möglichst dunkel stellen
– Wildtierpflegestelle, Tierpark/Zoo, wildtierkundigen Tierarzt kontaktieren und Eichhörnchen dort abgeben
– Nach der Abgabe an fachkundige Stelle, Hände gut waschen und desinfizieren (Eigenschutz)
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Hunde an der Leine führen
– Abstand halten
– Nicht füttern
– Hecken- und Baumschnitt oder Baumfällungen nicht in der Brut- und Setzzeit vornehmen und vorher genau auf Nester (Kobel) kontrollieren
Was kann ich tun um das Eichhörnchen zu unterstützen?
– Einheimische Pflanzen die nuss- und fruchttragend sind pflanzen (Haselnuss, Walnuss, Hainbuche)
– Flache Wasserschalen aufstellen und diese regelmäßig reinigen
– Futterhäuschen mit Walnüssen, Haselnüssen, Sonnenblumenkernen, Zirbelnüssen, Bucheckern aufhängen (1,5-2m hoch) – Bitte NICHT füttern!!! Knäckebrot, Brot, Mandeln, Milch, Erdnüsse (Schädlich für Kaumuskulatur, Zähne und Verdauung), keine verarbeitete menschliche Nahrung oder Mais!!!
– Kobel aufhängen (5m hoch), idealerweiße in Nadelbaum, gerne mit Schafwolle (hilft gegen Parasiten) gepolstert
– Alte Bäume so lange wie möglich stehen lassen
– Verzicht auf Mähroboter
– Verzicht auf Gift, Schädlingsfallen und Klebefallen
– Regentonnen abdecken oder Ausstiegshilfe ermöglichen, ebenso bei Teichen
Funktion im Ökosystem: Da sie im laufe des Jahres einige Samen verstecken und manche nicht wiederfinden, keimen die Samen im Frühjahr und tragen maßgeblich zur Verjüngung und Ausbreitung von Baumarten bei. Durch das fressen von Pilzen verbreiten sie deren Sporen über ihren Kot im Wald, was die Pilzvielfalt fördert. Beutetier für seine Fressfeinde. Durch ihre Sammelaktivitäten und das Bauen ihrer Kobel (Nester) beeinflussen sie die Waldstruktur, auch in städtischen Parks und Gärten
Buchtipps: …
Mythologie: Es soll die Feindschaft von Nidhöggr und Orn am Yggdrasil immer wieder neu entfacht haben. Andererseits waren den Germanen rote Tiere wie das Eichhörnchen heilig. Sie galten als Begleiter des Gottes Thor. In der mittelalterlichen Heilkunde stand das Eichhörnchen für Fruchtbarkeit. Aß eine schwangere Frau ein Eichhörnchen, sollte das Kind schwindelfrei sein
