Einheimische – Art
Tier des Jahres 2021 – Deutsche Wildtier Stiftung
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Raubtiere
Familie: Marder
Art: Eurasischer Fischotter (Flußotter, Landotter, Wassermarder, Flussmarder, Fischmarder)
Geschichte: Die Uhrahnen der Fischotter lebten bereits vor 30 Millionen Jahren in Fankreich. 9.000 – 7.000 Jahre vor Chr. erste Exemplare in Deutschland.
Beschreibung: Fell hellbraun bis dunkelbraun mit zunehmendem Alter färben sich Kehle und Vorderhals grau-braun bis weißlich. Gestreckter, walzenförmiger Körper. Kurze Beine. Rundlicher Kopf. Stumpfschnauzig. Mit Schwimmhäuten verbundene Zehen. Schwanz im Querschnitt rundlich und behaart, spitz zulaufend. Augen, Ohren und Nase bilden beim Schwimmen eine Linie oberhalb des Wasserspiegels
Kopf-Rumpf-Länge: Ca. 90cm
Schulterhöhe: Ca. 30cm
Gesamthöhe: 25cm – 30cm
Schwanz: 35cm – 50cm
Gewicht: 4kg – 12kg
Herzfrequenz: 125 – 200 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 38°C – 38,1°C
Lautäußerungen: Keckern, murren, pfeifen, und kreischen
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Sieht sowohl über als auch unter Wasser gut ist aber kurzsichtig. Augen sind so angeordnet, dass sie beim schwimmen über der Wasseroberfläche bleiben, was eine ständige Überwachung der Umgebung ermöglicht, Rotblind
Gehör: Ausgezeichnet, Ohren beim Tauchgang verschließbar
Geruchsinn: Sehr scharf, riecht Menschen auf 200m Entfernung, Nase beim Tauchgang verschließbar
Sonstiges: Kräftige, weiße Schnurrhaare (Vibrissen) an der Schnauze, den Brauen und der Ellenbogen nehmen Vibrationen im Wasser wahr. Bei Tauchgängen werden Luftpolster durch den Druck zum Teil wieder aus dem Fell gepresst, was zu den langen Blasenketten führt, die tauchende Otter hinter sich herziehen. Die Haut der Tiere bleibt trotzdem auch im Wasser immer trocken und warm. Jacobsonsches Organ. Rechter Lungenflügen hat 4 Lappen, linker 2. Fischotter besitzen mehr Hämaglobin im Blut, als andere Landlebewesen, daher können sie in ihrem Kreislauf mehr Sauerstoff transportieren, daher können sie so lange tauchen
Lebenserwartung: Ca. 16 Jahre
Lebensraum: Flache Flüsse, Bäche, Seen, Teiche mit zugewachsenen Ufern und Überschwemmungsebenen und Fischreichtum
Ruheplätze: In Wurzelgeflechten, Hohlräume unter Felsbrocken oder Steinen
Lebensweise: Einzelgängerisch, tag-, dämmerungs-, und nachtaktiv, während ihrer Aktivitätsphasen sind sie auffallend ruhelos, ständig auf Nahrungssuche und neugierig. Ihre Streifgebiete, die mehrere Kilometer See- oder Flussufer umfassen, kontrollieren sie dabei regelmäßig.Für die Tagesruhe ziehen sich Fischotter in selbstgegrabene oder bereits vorhandene Erdhöhlen im Uferbereich zurück. Sie nutzen auch gern Verstecke in ufernahem Wurzelwerk, Totholz und Schilfröhricht. Entlang ihrer Uferreviere, die sich über mehrere Kilometer erstrecken, haben Fischotter meist mehrere Schlafplätze. Über der Wasseroberfläche liegender Otterbau mit einer großen gepolsterten Haupthöhle hat einen Land- und einen Wasserzugang (ca. 0,5m unter Wasseroberfläche)
Fortbewegung: Schwimmt gut und bis zu 12km/h schnell. Kann bis zu 8 Minuten und bis zu 10m tief tauchen. Springt 1,6m weit und 1,3m hoch. Aus dem Wasser kann er sich 90cm heraus katapultieren. Wandert 20km – 50km pro Nacht. Kann nahezu lautlos schwimmen und dabei alle Geräusche und Gerüche wahrnehmen, während sich der übrige Körper im Wasser befindet, liegen Ohren, Nase und Augen auf einer Linie kurz oberhalb des Wasserspiegels. Sohlengänger
Nahrung: Kleine Fischarten (meist unter 20 cm, Forellen, Groppen, karpfenartige, Hechte, Aale, Butterfische, Seequappen), Amphibien, Bisamratten, Insekten, junge Kaninchen, (Fluss-) Krebse, Muscheln, Schermäuse, Vögel
Sonstiges: Bis zu 75 % besteht die Nahrung aus Fisch, er benötigt etwa 900g – 1.400g Nahrung täglich. Diese stöbert er auf dem Gewässergrund unter Steinen und Totholz auf. Kleinere Beute frisst er während des Schwimmens – Größere verspeist er an Land. Greift aus dem toten Winkel raus an
Kot: Darmpassage 67 – 170 Minuten. Im Kot häufig zu sehen sind Überreste von Fischen, Vögeln, Fröschen und Krebsen. 14 – 23 Portonionen Kot täglich. Geruch erinnert an Honig, Jasminblüte und frisch geschnittenem Gras. Zur Revierabgrenzung setzen Fischotter häufig Kotmarkierungen an herausragenden Steinen oder anderen prominenten Stellen ab
Fortpflanzung: Nesthocker, Nachwuchs werden in gut geschützten, oft unter Wasser liegenden Bauten geboren
Paarungszeit: Februar – März
Tragzeit: 61 – 63Tage
Wurfzeit: April – Juni, Weibchen kümmern sich alleine um den Nachwuchs
Wurfgröße: 1 – 5 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: 6 – 8 Monate
Selbstständig: 9 – 13 Monate
Geschlechtsreif: Ca. 2 Jahre
Jungensterblichkeit: Ca. 30%
Natürliche Feinde: Füchse, Hunde, Luchse, Seeadler, Uhus, Wölfe
Abwehrverhalten: Fliehen, fauchent, zischen, zeigen ihre Jungtiere, beißen
Krankheiten: Band-, Kratz- und Saugwürmer, Fischotter Haarling, Leberegel, Zecken
Sonstiges: Besonders polychlorierte Biphenyle (PCB) und andere Schadstoffe, die sich in Fischen anreichern, schädigen die Organe und führen zu einer verringerten Reproduktionsrate, hohe Neigung zur Bildung von Nierensteinen
Schutzstatus:
– FFH-Richtlinie – Anhang II und IV
– Bundesnaturschuzgesetz – Streng geschützt
– Berner Übereinkommen – Anhang II
– EG-ArtSchVO – Anhang A
Es ist verboten Fischotter, zu verfolgen, zu fangen, zu töten, ihre Fortpflanzungs- oder Ruhestätten zu beschädigen oder zu zerstören. Auch der Besitz oder Handel mit toten Ottern ist untersagt.
Es drohen bei Verstoß bis zu 50.000 € Strafe oder bis zu 5 Jahre Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Ja, aber ganzjährig geschont
Funktion im Ökosystem: Durch die selektive Jagd auf kranke oder schwache Fische beugen sie der Ausbreitung von Krankheiten innerhalb der Fischpopulationen vor. Als Raubtier an der Spitze der Nahrungskette verhindern sie die Überpopulation bestimmter Arten und tragen zur Strukturierung des Ökosystems bei. Fischotter benötigen fischreiche Gewässer mit einer intakten Uferstruktur und hoher Wasserqualität. Ihr Vorkommen ist ein Zeichen für ein funktionierendes Ökosystem. Sie ernähren sich neben Fisch auch von Krebsen und Amphibien, was den Druck auf diese Gruppen reguliert
Fischotter brauchen Hilfe, wenn …
– ein kleines Otterjunges laut pfeifend allein und ohne Muttertier aufgefunden wird
– sie sichtbar verletzt sind (z. B. durch Kollisionen mit Autos, die eine Haupttodesursache darstellen)
– sie sich in Fischreusen oder anderen Hindernissen verfangen haben
– ein Otter, mitten am Tag teilnahmslos am Ufer liegt
Wie helfe ich richtg?
– Ein verletzter oder verwaister Otter, besonders ein Jungtier, sollte nicht direkt angefasst werden, ohne fachlichen Rat einzuholen
– Das Tier vorerst aus der Ferne beobachten. Ein verwaist wirkendes Jungtier wird oft von der Mutter gesucht
– Hilfe holen (Fachleute), umgehend einen wildtierkundigen Tierarzt, die Polizei oder den örtlichen Jagdpächter/Wildtierstation kontaktieren
– Im nördlichen/mitteldeutschen Raum gibt es spezielle Anlaufstellen wie den Fischotter-Auffang Quilow (Notruf: 0176 – 99 77 2308), die sich auf verwaiste/verletzte Otter spezialisiert haben
– Funde von verletzten oder toten Ottern können auch dem Otter-Zentrum Hankensbüttel oder über das Projekt OTTER-SPOTTER gemeldet werden
– Erste Hilfe (nur bei absoluter Notwendigkeit)
– Dicke Handschuhe tragen, da Otter scharfe Zähne haben und zubeißen können
– Tier vorsichtig mit einer Decke oder Jacke abdecken, um es zu beruhigen, in einen belüfteten Karton legen
– Tier warm halten und an einem ruhigen, dunklen Ort stellen, bis Hilfe eintrifft
– Nicht füttern oder tränken
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– …
Was kann ich tun um den Fischotter zu unterstützen?
– Spuren auf Plattformen wie den OTTER-SPOTTER melden. Melden Sie dort Kot (Losung), Trittsiegel oder Totfunde
– Biologen unterstützen die die Ausbreitung der Tiere exakt zu dokumentieren
– Fischotter-Patenschaft übernehmen
– Aktives Mitglied in Verbänden wie der Aktion Fischotterschutz e.V..
– Durch Eintrittsgelder Bildungsstätten wie das OTTER-ZENTRUM Hankensbüttel unterstützen
– Lokal für ottergerechte Brücken mit Uferstreifen (Bermen) einsetzen. Solche Bermen halten die Otter davon ab, Straßen zu überqueren
– Gewässer von Plastikabfällen und Chemikalien freihalten
– Renaturierung von Bächen und Flüssen in Ihrer Region unterstützen
– Der Tierpark Thale bietet eine Tierpatenschaft (300€/Jahr) für Fischotter an. Mit diesen Geldern werden anteilig Kosten für die Haltung und Modernisierung der Gehege investiert.
https://www.bodetal.de/fileadmin/user_upload/Bilder/Tierpark_Hexentanzplatz/Tierpatenflyer_April_2026.pdf
Buchtipps:
– Der Fischotter – Ein heimlicher Jäger kehrt zurück von Irene Weinberger & Hansjakob Baumgartner
Mythologie: Die keltischen Druiden sahen in ihm ein freundliches und hilfsbereites, entschlossenes und beschützendes Wesen. Er wurde, wie der Hund als Freund und Begleiter gesehen. Auch Heilkräfte wurden ihm zugeschrieben
