Einheimische – Art
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Raubtiere
Familie: Marder
Art: Europäischer Nerz (Kleiner Fischotter, Krebsotter, Sumpfotter, Nörz, Steinhund, Wasserwiesel, Menk, Mink, Ottermenk, Wassermenk)
Beschreibung: Körper langgestreckt. Gliedmaßen und Schwanz relativ kurz. Oberseite von rotbraun über dunkelbraun bis schwärzlich. Unterseite etwas heller. Kinnbereich weiß gefärbt. Fell ausgesprochen dicht und wasserabweisend. Kennzeichen des Europäischen Nerzes ist die weiße Oberlippe, die seinem amerikanischen Verwandten fehlt
Kopf-Rumpf-Länge: 28cm – 43cm
Schwanzlänge: 12cm – 19cm
Gewicht: 400g – 750g
Herzfrequenz: … Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 36,2°C – 38,4°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Gutes Sehvermögen in der Dunkelheit, primär auf Bewegung reagierend
Gehör: Nimmt Geräusche im Wasser und an Land scharf wahr
Geruchsinn: Sehr gut ausgeprägt
Sonstiges: Stark ausgeprägt, Tasthaare (Vibrissen) an der Schnauze, Jacobsonsches Organ
Lebenserwartung: Ca. 7 – 10 Jahre
Lebensraum: Stark ans Wasser gebunden. Uferdickichte mit dichter Vegetation, Gebiete an Flüssen und Seen, Felsspalten, Wurzelwerkhalten, naturnahe Gewässerufer, Moorlandschaften und Feuchtgebiete mit dichter Vegetation, selten mehr als 100m-150m vom Wasser entfernt
Lebensweise: Einzelgänger, Dämmerungs- und Nachtaktiv, streng territorial, tagsüber ziehen sie sich in Baue zurück, die sie selbst gegraben haben oder von anderen Tieren (zum Beispiel Schermäusen) übernommen haben; manchmal verbergen sie sich auch in Felsspalten oder im Wurzelwerk der Bäume
Fortbewegung: Exzellenter Schwimmer und Taucher, zwischen den Zehen befinden sich Schwimmhäute
Nahrung: Schermäuse, Frösche, Vögel, Vogeleier, kleine Fische, Krebse
Sonstiges: Hält im Winter ein Loch in der Eisschicht des Gewässers offen, um sich auch tauchend, auf Nahrungssuche zu begeben. Bei reichem Angebot legt er Nahrungsvorräte an
Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in Ufernähe, meist in gut versteckten Wurfnestern innerhalb von Baumwurzeln, Uferböschungen oder verlassenen Bauten anderer Tiere geboren
Paarungszeit: Februar – März
Tragzeit: 35 – 72 Tage
Wurfzeit: April – Mai
Wurfgröße: 2 – 7 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: Ca. 10 Wochen
Selbstständig: 2 – 4 Monate
Geschlechtsreife: 1 Jahr
Jungensterblichkeit: …
Natürliche Feinde: Füchse, Dachse, Fischotter, Uhus
Abwehrverhalten: Flüchtet ins Wasser, ist äußerst wehrhaft und aggressiv wenn er in die Enge getrieben wird. Verteidigt sich mit Bissen sowie einem stark riechendem Sekret aus den Analdrüsen
Krankheiten: Aleutenkrankheit (Aleutian Mink Disease Virus – AMDV), SARS-CoV-2 (Covid-19), Vogelgrippe (Aviane Influenza, H5N1)
Schutzstatus:
– Rote Liste – Vom aussterben bedroht
– FFH-Richtlinie – Anhang II, IV
– Berner Konvention – Anhang II
– Bundesnaturschutzgesetz – Streng geschützt
Es ist verboten europäische Nerze zu fangen, zu töten, ihre Fortpflanzungs- oder Ruhestätten zu beschädigen oder zu zerstören. Auch Gewässerverschmutzung und Lebensraumzerstörung gefährden die Art. Es drohen bei Verstoß 50.000€ Strafe oder 3 Jahre Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein
Funktion im Ökosystem: Als kleines Raubtier ernährt sich der Nerz hauptsächlich von Fischen, Krebsen, Amphibien (Frösche), Vögeln, Kleinsäugern (z.B. Mäuse) und Insekten. Er hält dadurch Populationen dieser Arten in Schach und trägt zur Ausgewogenheit der Nahrungskette bei. Da der Europäische Nerz saubere, strukturreiche Gewässerufer, Bruchwälder und Sümpfe benötigt, dient er als Zeigerart für hochwertige Lebensräume. Der Amerikanische Nerz (Mink) ist ein invasiver Neobiota, der den Europäischen Nerz verdrängt, weil er anpassungsfähiger ist und die gleichen Ressourcen nutzt. Nerze sind exzellente Schwimmer und Taucher. Sie besiedeln Uferbereiche und jagen sowohl im Wasser als auch an Land, was sie zu einem Spezialisten für den Übergangsbereich zwischen aquatischen und terrestrischen Systemen mach
Nerze brauchen Hilfe, wenn …
– sie verletzt, krank sind
– insbesondere Jungtiere verlassen aufgefunden werden
Wie helfe ich richtig?
– Nicht anfassen, Nerze haben sehr scharfe Zähne und können heftig beißen
– Tier zunächst aus der Entfernung beobachten, um den Zustand einzuschätzen
– Umgehend einen lokalen Tierschutzverein, eine Wildtierstation, einen wildtierkundigen Tierarzt oder die Polizei kontaktieren
– Ist das Tier an einem gefährlichen Ort, mit festen Handschuhen (Leder) in eine mit Tüchern ausgelegte Kiste mit Luftlöchern setzen
– Karton mit Decke abdecken und ihn an einen dunklen, ruhigen Ort stellen
– Ist das Tier unterkühlt, kann eine Wärmflasche (Körperwarm) unter dem Tuch helfen
– Nicht füttern!!!
– Kein Wasser geben, dies kann bei verletzten Wildtieren oft mehr schaden als helfen
– Wildtiere gehören in fachmännische Hände (Wildtierstationen), da sie spezielle Pflege benötigen
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– …
Was kann ich tun um den Nerz zu unterstützen?
– Die gezielte finanzielle Unterstützung von Vereinen, die sich der Erhaltungszucht und Wiederansiedlung widmen, ist der direkte Weg
– Der EuroNerz e.V. betreibt eine Erhaltungszucht und unterstützt Projekte. Dem Verein kann man beitreten und durch Mitgliedsbeiträge oder aktive Mitarbeit die Arbeit unterstützen
– Die Ökologische Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM) e.V. betreibt ein großes Wiederansiedlungsprojekt
– Die Stiftung Artenschutz engagiert sich für die Rückkehr des kleinen Jägers
– Der Abbau von Torf zerstört die letzten Lebensräume des Nerzes. Torffreie Erde im Garten nutzen, um diese Ökosysteme zu schützen
– Projekte zur Renaturierung von Bächen und Flüssen unterstützen
– Einige Zoos, wie der Opel-Zoo oder der Tiergarten Mönchengladbach, beteiligen sich am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP). Ein Besuch unterstützt diese Einrichtungen finanziell
Buchtipps: Der Räuber aus dem Bruchwald von Kai Althoetmar
Mythologie: …
