Einheimische – Art
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Fledertiere
Familie: Glattnasen
Art: Großes Mausohr
Geschichte: Der Name verdankt sie sich mit den auffällig langen und breiten Ohren. Da die Menschen früher dachten, Fledermäuse seien „Mäuse, die flattern“ (daher auch das historische Wort Fledermaus von flederon = flattern), taufte man diese spezielle Art aufgrund ihrer markanten Ohrenform einfach „Mausohr“. Der wissenschaftliche Gattungsname Myotis setzt sich aus den altgriechischen Wörtern mys (Maus) und ous bzw. otos (Ohr) zusammen und bedeutet übersetzt exakt dasselbe wie der deutsche Name. Die wissenschaftliche Erstbeschreibung der Art erfolgte im Jahr 1797 durch den Naturforscher Johann Centurius von Borkhausen. Die Mausohren gehören zu den erfolgreichsten und artenreichsten Säugetiergattungen überhaupt. Erste fossile Vorfahren der Familie der Glattnasen (Vespertilionidae), zu der das Große Mausohr gehört, entwickelten sich vor rund 30 bis 50 Millionen Jahren im Eozän / Oligozän. Der evolutionäre Ursprung der modernen Mausohrfledermäuse liegt in der nördlichen Hemisphäre (Urkontinent Laurasien). Das Große Mausohr selbst hat seinen heutigen evolutionären und geografischen Verbreitungsschwerpunkt in Europa. Es passte sich im Laufe der Jahrtausende an die hiesigen Laub- und Mischwälder an, wo es eine einzigartige Jagdmethode entwickelte: Es sammelt seine Beute (v. a. Laufkäfer) direkt vom Erdboden aufIn Aktivitätsphasen;
Mythologie: …
Buchtipps:
– Fledermaus ganz nah von Ingrid Kaipf
– Fledermäuse beobachten, bestimmen und schützen von Kurt Richarz
Beschreibung: Oberseite mittelbraun, graubraun bis goldgelb. Unterseite grauweiß. Jungtiere dunkel rauchgrau. Dichtes Fell. Lange, breite Ohren
Körpergröße: 6,5cm – 8,4cm
Flügelspannweite: 35cm – 45cm
Unterarmlänge: 5,3cm – 6,7cm
Gewicht: 20g – 45g
Herzfrequenz: In Aktivitätsphasen; 200 Schläge pro Minute, im Winterschlaf; 10 – 15 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: In Aktivitätsphasen; 37°C – 40°C, im Winterschlaf; 3°C – 5°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Nutzt die Augen vor allem bei Dämmerung oder um grobe Helligkeitsunterschiede wahrzunehmen
Gehör: Feines Gehör und passive Lausch-Jagdmethoden, um am Boden laufende Insekten wie große Laufkäfer zu orten. Im Gegensatz zu vielen anderen Fledermausarten schaltet es beim bodennahen Anpirschen die Ultraschall-Echoortung ab und verlässt sich auf die Krabbel- und Raschelgeräusche der Beute im Laub
Geruchsinn: Ausgeprägt, vor allem im Nahbereich bei der Jagd am Boden sowie zur Erkennung von Artgenossen und Jungtieren in den Wochenstuben. Anders als viele andere Fledermäuse verlässt es sich beim Aufspüren von Laufkäfern primär auf sein Gehör und den Geruch, während die Echoortung eine untergeordnete Rolle spielt
Geschmackssinn: Er hilft zu prüfen, ob der Käfer etwa giftige Abwehrsekrete absondert, sodass die Fledermaus ihn gegebenenfalls wieder ausspuckt
Sonstiges: …
Frequenz/Rufe: 27kHz – 37kHz „…“, Ruflänge 5ms – 10ms
Lebenserwartung: Bis zu 22 Jahre
Lebensraum: Offenes Gelände, klimatisch begünstigte Täler, Felder, offenes Waldland, Siedlungen, Gebiete mit hohem Waldanteil, Wiesen
Sommerquartiere: Warme Dachböden, Kirchtürme, Höhlen, Fledermauskästen, Sonnenstorenkästen, Brückenspalten
Winterquartiere: Höhlen, Stollen, Bunkeranlagen, Bergkeller, Felsspalten
Lebensweise: Wärmeliebende Art
Fortbewegung: Große Beutetiere werden hängend, kleine Beute im Flug auf Ruheschleifen gefressen
Jagd: Fliegt in der späten Abenddämmerung aus. Gejagt wird im raschen, wendigem Flu dicht über dem Boden. Durchschnittliche Flugstrecke ins Jagdgebiet ca. 25km vom Quartier entfernt
Nahrung: Hundertfüsser, Käferlarven, Laufkäfer, Schnaken, Spinnen
Kot: Kleine, längliche, dunkle Kotkrümel unter den Hangplätzen. Im Gegensatz zu Mäusekot ist Fledermauskot trocken und glänzend; er zerbröselt leicht zu Pulver, da er hauptsächlich aus Chitinteilen von Insekten (wie Laufkäfern) besteht. Kann durch die bevorzugte Beute (Laufkäfer) leicht parfümiert oder moschusartig riechen
Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in sogenannten Wochenstuben geboren. Diese Wochenstuben befinden sich typischerweise auf warmen Dachböden, Kirchtürme, Höhlen, Fledermauskästen, Sonnenstorenkästen, Brückenspalten. Meist bestehen sie aus etwa 2.000 Tieren
Paarungszeit: August – Oktober, dann 5 – 6 Monate Keimruhe
Balzverhalten: Männchen besetzen feste, kleine Hangplätze in Dachstühlen oder Kirchtürmen und nutzen ein sogenanntes Lek-Paarungssystem, bei dem sie Weibchen durch laute Balzrufe anlocken, ohne Ressourcen wie Nahrung oder Aufzuchtgebiete zu verteidigen
Tragzeit: 50 – 70 Tage
Wurfzeit: Ende Mai – Anfang Juli
Wurfgröße: 1 Jungtier
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: Ca. 9 Wochen
Selbstständig: Ca. 9 Wochen
Geschlechtsreife: 3 – 15 Monate
Jungensterblichkeit: …
Natürliche Feinde: Eulen, Greifvögel, Katzen, Marder
Abwehrverhalten: Das Große Mausohr ahmt das laute Summen von stechenden Insekten nach. Eulen meiden wehrhafte Insekten wie Hornissen. Hören sie das Fledermaus-Summen, fliegen sie weg. In Ruhephasen setzen die Tiere auf Tarnung in dunklen Spalten; bei Störung flüchten sie schnell
Krankheiten: Fledermaustollwut, Kokzidiose, White-Nose-Syndrom (Weißnasen-Syndrom)
Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz
– FFH Richtlinie – Anhang IV
Es ist verboten, große Mausohren zu töten, zu verletzen, zu fangen oder zu stören sowie das Beschädigen oder Zerstören von Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Es drohen bei Verstoß eine Geldstrafe von bis zu 50.000€ oder eine Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein
Funktion im Ökosystem: Fängt gezielt große, oft flugunfähige Laufkäfer, Spinnen und andere Bodentiere in lichten Wäldern. Hält das biologische Gleichgewicht im Ökosystem Wald stabil, da es den Bestand bestimmter Insekten auf natürliche Weise dezimiert. Transportiert Nährstoffe aus den Jagdgebieten in die sommerlichen Wochenstuben (Dachböden, Kirchtürme) und trägt so zum Nährstoffkreislauf bei. Dient als Indikatorart für strukturreiche, pestizidarme Kulturlandschaften und naturnahe Laubwälder
Große Mausohren brauchen Hilfe, wenn …
– sie bluten, sichtbare Wunden oder gebrochene Flügel haben
– sie tagsüber ungeschützt am Boden oder an Hauswänden sitzen und nicht sofort wegfliegen
– Nackte oder unvollständig behaarte Jungtiere, isoliert am Boden liegen (oft im Frühsommer in der Nähe von Dachstühlen)
– sie von Katzen attackiert wurden
– sie in einem engen Schacht gefangen sind
– bei langanhaltend extremem Wetter oder nach Störungen im Winterquartier, ein Tier völlig entkräftet tagsüber umherirrt
Wie helfe ich richtig?
– Nicht mit bloßen Händen anfassen. Fledermäuse können beißen, wenn sie Angst haben. Immer dicke Handschuhe (Gartenhandschuhe) oder ein Tuch benutzen
– Das Tier vorsichtig mit dem Tuch greifen.
– Sehr kleine Luftlöcher in den Karton stechen
– Fledermaus hinein setzen
– Ein Stück Stoff (z.B. ein altes T-Shirt) oder ein Tuch hinein, in das sich das Tier zurückziehen kann
– Wenn das Tier sehr schwach oder kalt wirkt, kann man eine Wärmflasche (körperwarm) eingewickelt in eine Socke neben das Tier in den Karton legen
– Karton an einen kühlen, dunklen und ruhigen Ort stellen
– Experten kontaktieren Fledermäuse sind Wildtiere und brauchen fachkundige Hilfe, besonders wenn sie verletzt sind oder es sich um ein Jungtier handelt
– Fledermauspflegestelle oder Wildtierstationkontaktieren
– Keine Nahrung geben, Fledermäuse sind Spezialisten. Falsches Futter (wie Milch) führt zum Tod
– Eine verletzte oder am Tag gefundene Fledermaus nicht einfach wieder fliegen lassen, sie wird wahrscheinlich nicht überleben
– Nicht in die pralle Sonne stellen
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Offene Zugänge am Dach oder Kirchturm nicht verschließen
– Bei Renovierungen im Dachstuhl nur fledermausverträgliche Holzschutzmittel verwenden
– Keine grelle Fassaden- oder Hofbeleuchtung in der Nähe der Einflugswege anbringen
– Größere handwerkliche Arbeiten oder Sanierungen nur im Winterhalbjahr (Oktober bis März) außerhalb der Wochenstubenzeit planen
– Bei Bauvorhaben oder Problemen frühzeitig die lokale Fledermausbeauftragten oder den NABU kontaktieren
Was kann ich tun um die das große Mausohrzu unterstützen?
– Das große Mausohr nutzt große, warme und ungestörte Dachräume (oft in Kirchen oder alten Scheunen) als Wochenstuben zur Jungenaufzucht. Einfluglöcher an solchen Gebäuden nicht verschließen
– Die Hinterlassenschaften der Kolonien auf Dachböden stören manchmal. Diesen kann man regelmäßig und schonend beseitigen, statt die Tiere zu vertreiben
– Das große Mausohr jagt am Boden nach großen Insekten wie Laufkäfern. Durch die Förderung der Insektenvielfalt durch den Verzicht auf Pestizide und das Pflanzen einheimischer, nachtblühender Gewächse
– Die Tiere jagen gerne in unterwuchsarmen, alten Laubwäldern mit freier Bodenfläche. Die Schonung solcher Waldstrukturen sichert ihre Nahrungsquellen
– Beim NABU oder regionale Fledermausschutzgruppen helfen, die Gebäude-Sanierungen begleiten und Quartiere betreuen
