Einheimische – Art
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Fledertiere
Familie: Glattnasen
Art: Großes Mausohr
Beschreibung: Oberseite mittelbraun, graubraun bis goldgelb. Unterseite grauweiß. Jungtiere dunkel rauchgrau. Dichtes Fell. Lange, breite Ohren
Körpergröße: 6,5cm – 8,4cm
Flügelspannweite: 35cm – 45cm
Unterarmlänge: 5,3cm – 6,7cm
Gewicht: 20g – 45g
Herzfrequenz: 200 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 37°C – 40°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Nutzt die Augen vor allem bei Dämmerung oder um grobe Helligkeitsunterschiede wahrzunehmen
Gehör: Feines Gehör und passive Lausch-Jagdmethoden, um am Boden laufende Insekten wie große Laufkäfer zu orten. Im Gegensatz zu vielen anderen Fledermausarten schaltet es beim bodennahen Anpirschen die Ultraschall-Echoortung ab und verlässt sich auf die Krabbel- und Raschelgeräusche der Beute im Laub
Frequenz/Rufe: 27kHz – 37kHz „…“, Ruflänge 5ms – 10ms
Geruchsinn: Ausgeprägt, vor allem im Nahbereich bei der Jagd am Boden sowie zur Erkennung von Artgenossen und Jungtieren in den Wochenstuben. Anders als viele andere Fledermäuse verlässt es sich beim Aufspüren von Laufkäfern primär auf sein Gehör und den Geruch, während die Echoortung eine untergeordnete Rolle spielt
Sonstiges: …
Lebenserwartung: Ca. 22 Jahre
Lebensraum: Offenes Gelände, klimatisch begünstigte Täler, Felder, offenes Waldland, Siedlungen, Gebiete mit hohem Waldanteil, Wiesen
Sommerquartiere: Warme Dachböden, Kirchtürme, Höhlen, Fledermauskästen, Sonnenstorenkästen, Brückenspalten
Winterquartiere: Höhlen, Stollen, Bunkeranlagen, Bergkeller, Felsspalten
Lebensweise: Wärmeliebende Art
Fortbewegung: Große Beutetiere werden hängend, kleine Beute im Flug auf Ruheschleifen gefressen
Jagd: Fliegt in der späten Abenddämmerung aus. Gejagt wird im raschen, wendigem Flu dicht über dem Boden. Durchschnittliche Flugstrecke ins Jagdgebiet ca. 25km vom Quartier entfernt
Nahrung: Hundertfüsser, Käferlarven, Laufkäfer, Schnaken, Spinnen
Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in sogenannten Wochenstuben geboren. Diese Wochenstuben befinden sich typischerweise auf warmen Dachböden, Kirchtürme, Höhlen, Fledermauskästen, Sonnenstorenkästen, Brückenspalten. Meist bestehen sie aus etwa 2.000 Tieren
Paarungszeit: August – Oktober, dann 5 – 6 Monate Keimruhe
Balzverhalten: Männchen besetzen feste, kleine Hangplätze in Dachstühlen oder Kirchtürmen und nutzen ein sogenanntes Lek-Paarungssystem, bei dem sie Weibchen durch laute Balzrufe anlocken, ohne Ressourcen wie Nahrung oder Aufzuchtgebiete zu verteidigen
Tragzeit: 50 – 70 Tage
Wurfzeit: Ende Mai – Anfang Juli
Wurfgröße: 1 Jungtier
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: Ca. 9 Wochen
Selbstständig: Ca. 9 Wochen
Geschlechtsreife: 3 – 15 Monate
Jungensterblichkeit: …
Natürliche Feinde: Eulen, Greifvögel, Katzen, Baummarder
Abwehrverhalten: Das Große Mausohr ahmt das laute Summen von stechenden Insekten nach. Eulen meiden wehrhafte Insekten wie Hornissen. Hören sie das Fledermaus-Summen, fliegen sie weg. In Ruhephasen setzen die Tiere auf Tarnung in dunklen Spalten; bei Störung flüchten sie schnell
Krankheiten: Fledermaustollwut, Kokzidiose, White-Nose-Syndrom (Weißnasen-Syndrom)
Schutzstatus:
– Bundesnaturschutzgesetz
– FFH Richtlinie – Anhang IV
Es ist verboten, große Mausohren zu töten, zu verletzen, zu fangen oder zu stören sowie das Beschädigen oder Zerstören von Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Es drohen bei Verstoß eine Geldstrafe von bis zu 50.000€ oder eine Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Nein
Funktion im Ökosystem: Fängt gezielt große, oft flugunfähige Laufkäfer, Spinnen und andere Bodentiere in lichten Wäldern. Hält das biologische Gleichgewicht im Ökosystem Wald stabil, da es den Bestand bestimmter Insekten auf natürliche Weise dezimiert. Transportiert Nährstoffe aus den Jagdgebieten in die sommerlichen Wochenstuben (Dachböden, Kirchtürme) und trägt so zum Nährstoffkreislauf bei. Dient als Indikatorart für strukturreiche, pestizidarme Kulturlandschaften und naturnahe Laubwälder
Große Mausohren brauchen Hilfe, wenn …
– es blutet, sichtbare Wunden, gebrochene Flügel oder Schleifspuren hat
– es tagsüber ungeschützt am Boden oder an Hauswänden sitzen und nicht sofort wegfliegt
– Nackte oder unvollständig behaarte Jungtiere, isoliert am Boden liegen (oft im Frühsommer in der Nähe von Dachstühlen)
– es von Katzen attackiert worden ist
– es in einem engen Schacht gefangen ist
– bei langanhaltend extremem Wetter oder nach Störungen im Winterquartier, ein Tier völlig entkräftet tagsüber umherirrt
Wie helfe ich richtig?
– Nicht mit bloßen Händen anfassen. Fledermäuse können beißen, wenn sie Angst haben. Immer dicke Handschuhe (Gartenhandschuhe) oder ein Tuch benutzen
– Das Tier vorsichtig mit dem Tuch greifen.
– Sehr kleine Luftlöcher in den Karton stechen
– Fledermaus hinein setzen
– Ein Stück Stoff (z.B. ein altes T-Shirt) oder ein Tuch hinein, in das sich das Tier zurückziehen kann
– Wenn das Tier sehr schwach oder kalt wirkt, kann man eine Wärmflasche (körperwarm) eingewickelt in eine Socke neben das Tier in den Karton legen
– Karton an einen kühlen, dunklen und ruhigen Ort stellen
– Experten kontaktieren Fledermäuse sind Wildtiere und brauchen fachkundige Hilfe, besonders wenn sie verletzt sind oder es sich um ein Jungtier handelt
– Fledermauspflegestelle oder Wildtierstationkontaktieren
– Keine Nahrung geben, Fledermäuse sind Spezialisten. Falsches Futter (wie Milch) führt zum Tod
– Eine verletzte oder am Tag gefundene Fledermaus nicht einfach wieder fliegen lassen, sie wird wahrscheinlich nicht überleben
– Nicht in die pralle Sonne stellen
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Offene Zugänge am Dach oder Kirchturm nicht verschließen
– Bei Renovierungen im Dachstuhl nur fledermausverträgliche Holzschutzmittel verwenden#
– Keine grelle Fassaden- oder Hofbeleuchtung in der Nähe der Einflugswege anbringen
– Größere handwerkliche Arbeiten oder Sanierungen nur im Winterhalbjahr (Oktober bis März) außerhalb der Wochenstubenzeit planen
– Bei Bauvorhaben oder Problemen frühzeitig die lokale Fledermausbeauftragten oder den NABU kontaktieren
Was kann ich tun um die das große Mausohrzu unterstützen?
– Das Große Mausohr nutzt große, warme und ungestörte Dachräume (oft in Kirchen oder alten Scheunen) als Wochenstuben zur Jungenaufzucht. Verschließen Sie Einfluglöcher an solchen Gebäuden nicht
– Die Hinterlassenschaften der Kolonien auf Dachböden stören manchmal. Helfen Sie mit, den Kot im Einvernehmen mit Eigentümern regelmäßig und schonend zu beseitigen, statt die Tiere zu vertreiben
– Das Große Mausohr jagt am Boden nach großen Insekten wie Laufkäfern. Fördern Sie die Insektenvielfalt durch den Verzicht auf Pestizide und das Pflanzen einheimischer, nachtblühender Gewächse
– Die Tiere jagen gerne in unterwuchsarmen, alten Laubwäldern mit freier Bodenfläche. Die Schonung solcher Waldstrukturen sichert ihre Nahrungsquellen
– Engagieren Sie sich über den NABU oder regionale Fledermausschutzgruppen, die Gebäude-Sanierungen begleiten und Quartiere kartieren
Buchtipps:
– Fledermaus ganz nah von Ingrid Kaipf
– Fledermäuse beobachten, bestimmen und schützen von Kurt Richarz
Mythologie: …
Ruhe im Winter: Das Große Mausohr hält Winterschlaf in Höhlen, Kellern oder Stollen. Stören Sie Fledermäuse dort in den Wintermonaten nicht durch Licht oder Lärm, da sie dadurch wertvolle Energie verlieren. [1, 2, 3, 4, 5]
Abstand wahren: Tiere im Sommerquartier (Wochenstube) nicht berühren oder durch Lärm stören.
Kot als Dünger: Anfallenden Fledermauskornt einfach zusammenkehren und als wertvollen, geruchlosen Pflanzendünger im Garten nutzen.
