A B D E F G H I K L M N R S T W Z

Waschbär – Procyon lotor

Neozoen-Art
Invasive-Art


Klasse: Säugetiere
Ordnung: Raubtiere
Familie: Kleinbären
Art: Nordamerikanischer Waschbär (Schupp)

Beschreibung: Fell in grau- oder brauntönen. Schwarze Gesichtsmaske. Ohren abgerundet, weiß umrandet. Schwarz-weiß geringelter Schwanz. Vorderpfoten ähneln Händen, der Abdruck der Hinterpfoten hat Ähnlichkeit mit dem Fußabdruck eines Kleinkindes
Kopf-Rumpf-Länge: 40cm – 71cm
Schulterhöhe: 22cm – 30cm
Schwanzlänge: 19cm – 40cm
Gewicht: 3,5kg – 9kg
Herzfrequenz: 200 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 37°C – 38°C

Sinnesleistung:
Sehvermögen: Sieht nachts gut. Ist jedoch farbenblind (außer Grüntöne) und sieht kein scharfes Bild (11 Dioptrien mit dem des Menschen vergleichbar)
Gehör: Hört bis zu 85kHz
Geruchsinn: Fein ausgeprägt
Sonstiges: Sehr schlau (vergleichbar mit Rhesusaffen), löst komplexe Aufgaben, kann Schlösser knacken und sich Lösungen über Jahre merken. Vorderpfoten haben 4 – 5x mehr Sinneszellen als der restliche Körper, was die Sensibilität unter Wasser durch Aufweichen der Hornhaut noch erhöht. Ungewöhnlich für ein Raubtier sind zudem die fünf freistehenden Finger. Nahezu zwei Drittel des für die Sinneswahrnehmung zuständigen Areals der Großhirnrinde ist auf die Interpretation taktiler Reize spezialisiert. Mit den Tasthaaren über den scharfen, nicht einziehbaren Krallen können Waschbären Gegenstände schon vor dem Anfassen erkennen. Urin, Kot und Analdrüsensekrete als Duftmarken. Kann sowohl Schwitzen als auch Hecheln. Jacobsonsches Organ

Lebenserwartung: Ca. 16 Jahre
Lebensraum: Strukturreiche Mischwälder in Gewässernähe mit einem hohen Eichenanteil, Wohngebieten, Gärten auf Bäumen in Astgabeln oder Höhlungen, in verlassenen Dachs- und Fuchsbaue; in Schuppen, Speichern und Dachböden
Lebensweise: Von Einzelgängern über Kleingruppen (Mutter-Jungtiere) bis zu Männchengruppen mit bis zu 10 Tieren, Dämmerungs- und Nachtaktiv, halten Winterruhe

Fortbewegung: Sohlengänger, sehr geschickter Kletterer, nutzt Krallen, um Bäume zu erklettern, guter Schwimmer bis zu 4,8km/h schnell, springende-hüpfende Fortbewegung mit bis zu 24km/h, kann sich auf seine Hinterbeine stellen und Objekte mit ihren Vorderpfoten untersuchen
Nahrung: Insekten, Würmer, Käfer, Obst, Nüsse, kleine Fische, Amphibien, Vögel, Kleinsäuger, Spitzmäuse, Haselmäuse, Europäische Sumpfschildkröten, Mais, Wirbellose, Krebse, Vogeleier, Schnecken, Salamander
Sonstiges: 80% pflanzliche, 20% tierische Nahrung

Fortpflanzung: Nesthocker, werden meist in Wurfhöhlen, bevorzugt in Baumhöhlen, Felsspalten oder verlassenen Bauten geboren
Paarungszeit: Januar – März (Ranz), Mai – Juni (bei Jungtierverlust)
Tragzeit: 63 – 65 Tage
Wurfzeit: April – Mai, Juli – August (bei Jungtierverlust)
Wurfgröße: 2 – 5 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: 4 – 6 Wochen
Selbstständig: 4 – 6 Monate
Geschlechtsreife: Ca. 9 – 10
Jungensterblichkeit: …

Natürliche Feinde: Luchse, Wölfe, Uhus, Füchse, Marder, Adler, Greifvögel
Abwehrverhalten: Flucht, wenn er in die Enge getrieben wird, verteidigt er sich mit scharfen Krallen und Zähnen, faucht, knurrt, schnattert, schreiet
Krankheiten: Waschbärspulwurm (Zoonose), Staupe, Tollwut, Trichinose, Salmonellose, Leptospirose, Listeriose, Kryptosporidiose, Zecken, Flöhe, Räude

Schutzstatus:
Keiner, da invasive Art
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Ja, ganzjährig, außer Fähen mit Jungtieren (Elterntierschutz), hier gilt die Schonzeit von März und 31. Juli

Funktion im Ökosystem: Als Allesfresser ernährt er sich von Würmern, Schnecken, Obst, Nüssen, aber auch von Wirbellosen, kleineren Wirbeltieren wie Fischen, Kröten und Salamandern. Er plündert Vogelnester (Eier und Jungvögel) und bedroht Amphibienbestände. Der Waschbär gilt als Gefahr für den Artenschutz, da er seltene Arten wie die Europäische Sumpfschildkröte oder bestimmte Vogelarten gefährdet. Er besetzt Nischen und tritt in Konkurrenz zu heimischen Arten wie dem Baummarder, Fuchs oder Greifvögeln. Waschbären nutzen neben Wäldern intensiv städtische Lebensräume, wo sie Abfälle fressen und Schäden in Gärten oder an Gebäuden verursachen

Waschbären brauchen Hilfe, wenn …
– sie offensichtliche Verletzungen wie Wunden oder offene Brüche haben oder Hinken
– sie einen taumelnder Gang haben, Apathisch wirken, starker Fliegenbefall zu sehen ist, er Fellverlust hat oder wenn das Tier tagaktiv ist und sich untypisch verhält
– einzeln gefundene Junge, deren Mutter sicher tot ist (z. B. im Straßenverkehr) – Waschbärmütter lassen ihren Nachwuchs oft bis zu 24 Stunden allein. Das Junge sollte zunächst aus der Ferne beobachtet werden
– das Tier in einer Notlage feststeckt (z. B. in einem Schacht)

Wie helfe ich richtig?
– Ruhe bewahren, Waschbären sind Wildtiere und können beißen oder kratzen, besonders wenn sie verletzt sind
– Tier nie mit bloßen Händen anfassen. Immer dicke Handschuhe oder eine Decke zur Hilfe nehmen
– Tier in einen sicheren, luftdurchlässigen Karton setzen
– Verletzte Tiere können auskühlen. körperwarme Wärmflasche, die in ein Tuch gewickelt in den Karton legen
– Nicht füttern/tränken, keine Nahrung oder Wasser, bevor das Tier versorgt ist, um Verletzungen oder Verschlucken zu vermeiden
– Umgehend eine Wildtierstation, Tierschutzverein oder einen wildtiererfahrenen Tierarzt kontaktieren
– Muss das Tier aus dem Wald/der Natur entnommen werden, muss dies der Polizei oder dem zuständigen Jagdausübungsberechtigten gemeldet werden (innerhalb befriedeter Bezirke wie Gärten besteht diese Pflicht oft nicht, aber eine Info ist ratsam)
– Keine Aufzucht durch Privatpersonen, Waschbären sind sehr anspruchsvoll. Pflege sollte von Experten übernommen werden
– In Deutschland dürfen aufgenommene Waschbären aufgrund der EU-Verordnung 1143/14 nicht wieder ausgewildert werden, da sie als invasive Art gelten
– Es ist verboten, verletzte Tiere einfach zu töten

Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Mülltonnen mit Spanngurten, Steinen oder speziellen Mülltonnenschlössernunzugänglich machen
– Gelbe Säcke erst am Morgen der Abholung rausstellen, da Waschbären das Material leicht aufreißen können
– Futter für Hunde oder Katzen abends nicht draußen stehen lassen
– Äste von Bäumen, die näher als 1 – 2m am Haus wachsen, zurückschneide
– Dach auf lose Ziegel oder Öffnungen prüfen und abdichten
– Glatte Blechmanschetten an Fallrohren der Dachrinne hindern Waschbären am Hochklettern
– Katzenklappen nachts verschließen oder auf chipgesteuerte Modelle umstellen
– NICHT füttern !!!

Was kann ich tun um Waschbären zu unterstützen?
– Der Tierpark Thale bietet eine Tierpatenschaft (100€/Jahr) für Waschbären an. Mit diesen Geldern werden anteilig Kosten für die Haltung und Modernisierung der Gehege investiert.
https://www.bodetal.de/fileadmin/user_upload/Bilder/Tierpark_Hexentanzplatz/Tierpatenflyer_April_2026.pdf

Buchtipps:


Mythologie:

Über den Experten: caroline.schoch

Zur Webseite des Experten »