Einheimische – Art
Tier des Jahres 2019 – Deutsche Wildtier Stiftung
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Paarhufer
Familie: Hirsche
Art: Europäisches Reh
Beschreibung: Sommerfell Oberseite und Außenseiten glänzend, dunkles Braunrot bis zu Fahlgelb. Innenseite der Läufe und Unterbauch heller und gelblicher. Hintern „Spiegel“, hebt sich vom übrigen Fell gelblich-weiß ab. Böcke haben an Kinn und an jeder Seite der Oberlippe einen kleinen weißen Fleck, auch oberhalb der Nasenpartie ist häufig ein weißer Fleck zu sehen. Frisch geborene Kitze tragen ein gepunktetes Tarnkleid und verschmelzen ganz mit der Umgebung. Kopf im Verhältnis zur Körperlänge kurz, im Profil fast dreieckig. Ohren lang-oval zugespitzt. Quer gestellte Pupille. Schlanker Hals.
Kopf-Rumpf-Länge: 90cm – 127cm
Schulterhöhe: 65cm – 84cm
Gewicht: 17kg – 34kg
Herzfrequenz: 60 Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 38,5°C – 39,5°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Reagiert extrem sensibel auf schnelle Bewegungen, sieht in der Dämmerung deutlich besser als der Mensch, weitgehend farbenblind
Gehör: Trichterförmigen Ohren (Lauscher), können unabhängig voneinander bewegt werden
Geruchsinn: Ausgeprägter Geruchssinn. Es kann einen Menschen bis auf 400m Entfernung wittern. Makrosmatiker – Großteil seiner Nasenschleimhaut ist mit Riechepithel bedeckt
Sonstiges: Zur Reviermarkierung dienen ihm Drüsen oberhalb der Hufe und den Rehböcken zusätzlich die Duftdrüsen auf der Stirn, Jacobsonsches Organ
Lebenserwartung: Ca. 12 – 20 Jahre
Lebensraum: Waldränder mit Lichtungen, strukturreiche Mischwälder mit viel Unterholz und Buschwerk, Offenland (Feldrehe), Hecken, Feldgehölze, Auen, Riede, Parks in Siedlungsnähe. Bis in eine Höhenlagen von 3.000m anzutreffen.
Lebensweise: Im Sommer überwiegend einzelgängerisch oder in kleinen Familienverbänden (Ricke mit Kitz), im Winter lose Gruppen, sogenannte „Sprünge“, Tag- und Dämmerungsaktiv,
Sehr standorttreu, hält die Grenzen seines Aktionsraums, zum Beispiel Feldränder, Wege, Straßen oder Hecken genau ein. Im Frühjahr und im Sommer verbringen Rehe je sechs Stunden pro Tag mit Fressen und Wiederkäuen. Weitere sechs Stunden ruhen sie, vier Stunden schlafen sie und zwei Stunden pro Tag wenden sie darauf auf, ihren Standort zu wechseln. Im Herbst und Winter wenden sie je eine Stunde mehr für Nahrungsaufnahme und Wiederkäuen auf, sie ruhen in dieser Zeit weniger, schlafen nur drei Stunden und ziehen drei Stunden in ihrem Revier umher. Ein einzelner Äsungszyklus – Aufsuchen der Äsungsstelle, Fressen und Wiederkäuen – dauert durchschnittlich etwa 2 Stunden. Ein Reh, das sich zum Ruhen niederlassen will, scharrt mit den Vorderläufen zunächst ein Lager. Dann lässt es sich auf die Vorderfußwurzeln nieder, setzt sich auf den rechten oder linken Oberschenkel und schlägt die Vorderläufe um. Es liegt immer nur ein Vorder- oder Hinterlauf einer Seite unter dem Körper. In dieser Körperhaltung käut das Reh wieder, döst oder schläft. Beim Dösen bleibt der Kopf hoch erhoben, gelegentlich käuen sie im Dösen sogar wieder. Fester Schlaf ist auf wenige kurze Perioden im Tagesrhythmus beschränkt, die unregelmäßig eintreten. Der Kopf liegt entweder auf dem Boden oder auf der Flanke zwischen Rumpf und Hinterläufen. Nach dem Ruhen oder Schlafen aufstehende Rehe strecken sich zunächst, flehmen dabei gelegentlich und kratzen sich mit den Schalen des Hinterlaufs. Sie belecken sich und wechseln dann zum Äsungsplatz. Anders als der Rothirsch suhlt das Reh nicht
Fortbewegung: Nutzt drei Gangarten: Schritt, Trab und Galopp (Flucht), springt 4m weit, sehr guter Schwimmer (in der Lage, mehrere Kilometer breite Gewässer zu durchqueren), sehr trittsicher
Nahrung: Knospen, junge Gräser, Kräuter, Laubblätter, Triebe (Brombeere, Ahorn, Esche, Weißdorn), Farne, Eicheln, Bucheckern, Blütenknospen, Rosen, Gemüse, Schachtelhalme, Farne, Bärlappgewächse, Heidelbeeren, Großes Hexenkraut, Wald-Ziest, gemeiner Hohlzahn, Efeu, Hainbuche, Besenheide, Roter Hartriegel, gewöhnlicher Liguster, gemeine Hasel, Walderdbeeren, Faulbaum, stinkender Storchschnabel, Raps, Gerste als junge Pflanze, Weizen, Hafer
Sonsiges: „Konzentrat-Selektierer“, der wählerisch eiweißreiche, leicht verdauliche Pflanzenteile auswählt, Wiederkäuer, braucht 2kg – 4kg Grünmasse pro Tag
Fortpflanzung: Nestflüchter, werden meist in der freien Natur, versteckt im hohen Gras, in Waldrändern oder in dichtem Unterholz geboren
Paarungszeit: Juli – August dann Keimruhe bis Dezember (Blattzeit)
Tragzeit: Ca. 5 Monate
Wurfzeit: Mai – Juni
Wurfgröße: 1 – 2 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 Wurf pro Jahr
Säugezeit: Ca. 10 Wochen
Selbstständig: 3 – 4 Monate
Geschlechtsreife: Ca. 14 – 18 Monate
Jungensterblichkeit: …
Sonstiges: In den ersten Lebenstagen besucht die Mutter die Kitze nur zum Säugen, um nicht die natürlichen Feinde auf die Spur der Jungtiere zu locken. Die Kitze werden aus sicherer Entfernung von der Ricke beobachtet. Ricken nehmen bis in die 3.Woche nach der Geburt fremde Kitze an, wenn diese dem Alter ihrer eigenen Nachkommen entsprechen; umgekehrt können sich bis zu 3 Wochen alte Kitze fremden Ricken anschließen
Natürliche Feinde: Luchse, Wölfe, Braunbären, gefährlich für die Kitze sind Füchse, Wildschweine, Greifvögel, Wildkatze, Hunde, Vielfraße
Abwehrverhalten: Flüchten bei Gefahr, beunruhigte Rehe „schrecken“, ein Geräusch, das wie kurzes Bellen eines Hundes klingt. Dies signalisiert dem Feind, dass er entdeckt wurde und eine Jagd zwecklos ist. Bei Störungen richtet es den Kopf auf und starrt die Ursache der Störung an, wobei es sich oft seitwärts stellt. Dieses charakteristische Verhalten wird „Sichern“ genannt. Es bewegt sich gelegentlich auch langsam und mit weit vorgestrecktem Hals im Stechschritt auf die verdächtige Erscheinung zu, dabei stampft es von Zeit zu Zeit auf den Boden
Krankheiten: Zecken, Haarlingen, Hirschlausfliegen, Chlamydiose, Fibropapillomatose, Paratuberkulose, Aktinomykose, Listeriose, chronische Auszehrungskrankheit (CWD – tödliche Prionenerkrankung ähnlich BSE), Tollwut, Milzbrand, Tuberkulose, Leberegel, Saug-, Band-, Lungen- und gedrehter Magenwurm, Nematoden, Rachenbremse, Dasselfliege, Rehlaus, Kletterfußmallophage
Schutzstatus:
– Bundesartenschutzverordnung – Geschützte Art
Es ist verboten, europäische Rehe zu fangen, zu verletzen, zu töten. Es drohen bei Verstoß eine Geldstrafe oder bis zu 5 Jahre Freiheitsstrafe!
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Ja
Funktion im Ökosystem: Als große Pflanzenfresser transportieren Rehe keimfähige Samen über weite Strecken und tragen so zur Artenvielfalt im Wald bei. Durch das Scharren mit den Hufen legen Rehböcke den Waldboden frei. Auf diesen sogenannten Rohböden können Pflanzensamen wie Kiefer, Tanne oder Birke besser keimen. Durch den Verbiss von Trieben beeinflussen Rehe die Vegetationsstruktur. Sie schaffen Pfade und Lichtungen, was anderen Arten zugutekommen kann. Rehe sind Beutetiere für ihre Fressfeinde. Ihr Kot dient als Nahrung für Insekten, und abgeworfene Geweihstangen liefern wertvolle Mineralstoffe (Kalzium, Phosphor) für Nagetiere. Ausgefallenes Winterfell der Rehe wird von vielen Vogelarten für den Nestbau genutzt
Rehe brauchen Hilfe, wenn …
– sie bluten, gebrochene Gliedmaßen haben oder sichtlich krank sind
– sie nach einem Unfall orientierungslos sind
– sie apathisch wirkt
– sie ein auffallend struppiges Haarkleid oder verklebte Augen/Nase haben
– das Muttertier (Ricke) nachweislich tot ist (z. B. bei einem Verkehrsunfall)
– weiße, reiskornförmige Fliegeneier im Fell (meist an Ohren oder After), die auf einen Madenbefall hindeuten zu sehen sind
– ein Kitz über viele Stunden oder sogar Tage laut „fiept“, kann dies ein Zeichen dafür sein, dass die Mutter nicht zurückkehrt
– ein Kitz von einem Hund verletzt wurde
Wie helfe ich richtig?
– Nicht anfassen/nähern, Tier aus sicherer Entfernung (mindestens 50m – 100m) beobachten
– Ein Kitz, das allein im hohen Gras liegt, ist oft nicht verlassen. Die Ricke (Mutter) kommt nur zum Säugen zurück
– Ein Reh unterliegt dem Jagdrecht. Es darf es nicht einfach eingepacken und mitgenommen werden
– Umgehend den zuständigen Jagdpächter, Förster oder die Polizei kontaktieren. Diese sind für das Wildmanagement verantwortlich und können professionelle Hilfe leisten
– Geben Sie dem Reh niemals Futter oder Wasser
– Wenn das Reh auf der Straße liegt, muss die Stelle mit Warnblinklicht und Warndreieck abgesichert werden
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Hunde im Wald an der Leine führen
– Rehkitze niemals anfassen! Die Mutter nimmt sie sonst wegen des Menschengeruchs nicht mehr an
– Nicht füttern
– Nicht in die Enge treiben
– Wenn ein Reh „schreckt“ (bellt), ist es beunruhigt, man sollte sich ruhig zurückziehen
– Vor der Mahd von Feldern Vergrämungsmittel wie Plastiktüten anbringen oder auf die Absuche mit Drohnen und Wärmebildkameras zurückgreifen
Was kann ich tun um den Rehe zu unterstützen?
– Kitzrettung unterstützen, ehrenamtliche Hilfe bei Vereinen zur Suche von Kitzen vor der Mahd mit Drohnen und Wärmebildkameras
– Wenden Sie sich bei verletzten Tieren umgehend an Wildtierstationen den zuständigen Jagdpächter, Förster oder die Polizei
– Der Tierpark Thale bietet eine Tierpatenschaft (150€/Jahr) für Rehe an. Mit diesen Geldern werden anteilig Kosten für die Haltung und Modernisierung der Gehege investiert.
https://www.bodetal.de/fileadmin/user_upload/Bilder/Tierpark_Hexentanzplatz/Tierpatenflyer_April_2026.pdf
– „Harzdachs TV“ auf Youtube abonieren und neue Dinge lernen, wie hier zum Beispiel über das Rotwild
https://www.youtube.com/watch?v=ASgqTJYK2Jw
Buchtipps: …
Mythologie: …
