Einheimische – Art
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Paarhufer
Familie: Echte Schweine
Art: Wildschwein (Schwarzwild, Schwarzkittel)
Beschreibung: Sommerfell braun-schwarz. Winterfell dunkelgrau bis braun-schwarz, daher der Name “Schwarzkittel”. Das Fell dient vor allem der Wärmeregulation, da der zwischen den Haaren eingeschlossene Luftraum eine zu starke Abgabe der Körperwärme verhindert. Die glatten Deckhaare verhindern, dass die Haut beim Durchstreifen von Gestrüpp verletzt wird. Bei älteren Keilern finden sich beidseitig im Bereich der Schultern verdickte, verfilzte Stellen (der Schild). Neugeborene Wildschweine (Frischlinge), haben mittelbraunes Fell, das in der Regel vier bis fünf gelbliche, von den Schulterblättern bis zu den Hinterbeinen reichende Längsstreifen aufzeigt. Diese Streifenform ist so individuell, dass Jungtiere eindeutig identifiziert werden können. Körper gedrungen, massiv. Kopf wirkt überdimensioniert, läuft nach vorne keilförmig aus. Besonders männliche Wildschweine (Keiler) haben starke Eckzähne, die zu schweren Verletzungen bei Mensch und Tier führen können. Von der Stirn bis über den Rücken verläuft ein Kamm langer Borsten, die aufgestellt werden können
Kopf-Rumpf-Länge: 130cm – 180cm
Gewicht: 100kg – 150kg
Herzfrequenz: … Schläge pro Minute
Körpertemperatur: 38,3°C – 39,5°C
Sinnesleistung:
Sehvermögen: Schwach ausgeprägt, Bewegungsseher
Gehör: Hervorragend
Geruchsinn: Bis zu 1000-mal stärker als beim Menschen, können menschliche Spuren bis zu 8 Stunden nach dem Vorübergehen hervorragenden wahrnehmen
Sonstiges: Schnauze (Gebrech) sehr beweglich und hochempfindlich, Jacobsonsches Organ
Lebenserwartung: Ca. 5 – 7 Jahre
Lebensraum: Laub- und Mischwälder (Eichen-, Buchen-, Erlenwälder), Sumpfgebiete, Auen, Moore, Tümpel in dichten Beständen von Fichtendickungen oder Brombeergebüsch, Mais- und Rapsfelder, brauchen Wasserstellen um zu trinken und sich zu suhlen, tauchen zunehmend auch in den Vorgärten von Stadtgebieten auf
Lebensweise: Leben in Mutterfamilien, in haremsähnlichen Verbänden oder in Gruppen vorjähriger Tiere zusammen, sogenannten Rotten, Keiler einzelgängerisch, Dämmerungs- und Nachtaktiv
Fortbewegung: Bis zu 40 km/h schnell, vorzügliche und ausdauernde Schwimmer
Nahrung: Wurzeln, Knollen, Eicheln, Bucheckern, Pilze, Früchte, Kräuter, Gräser, Engerlinge, Würmer, Mäuse, Jungkaninchen, Eier, Aas, Insektenlarven, Käfer, Schnecken, Reptilien, Mäuse, junge Vögel, Mais, Weizen, Kartoffeln, Kalmus, Adlerfarn, Weidenröschen, Buschwindröschen, Schlangen-Knöterich, Wegerich, Sumpfdotterblumen, Klee, Süßgräser, Ampfer, Giersch, Wiesen-Bärenklau, Eichenlaub
Sonstiges: Wühlen bis zu 50cm tief
Fortpflanzung: Nestflüchter, werden meist im Wald in sogenannten Wurfkesseln geboren, die von der Mutter (Bache) an einem versteckten Ort, häufig in Richtung Süden exponiert, dass sie von der Sonne erwärmt werden, unter umgestürzten Bäumen oder in dichter Deckung angelegt. In sumpfigen Regionen sucht die Bache nach Bodenerhebungen, damit das Nest trocken ist. Sie polstert es mit Gras aus und baut anschließend eine Art Dach
Paarungszeit: November – Februar (Rausche, )
Tragzeit: 114 – 118 Tage („Drei Monate, drei Wochen und drei Tage“)
Wurfzeit: Januar- Mai (bei guter Nahrungsversorgung ganzjährig)
Wurfgröße: 3 – 10 Jungtiere
Anzahl der Würfe: 1 – … Würfe pro Jahr
Säugezeit: 3 – 4 Monate
Selbstständig: 6 Monate
Geschlechtsreife: Ca. 8 – 24 Monate
Jungensterblichkeit: …
Natürliche Feinde: Wölfe, Luchse, Braunbären, vorallem Frischlinge gefährdet durch Füchse, Uhus, Wildkatzen
Abwehrverhalten: Lautes, pustendes Geräusch, Zähneklappern, aufstellen des Schwanzes/der Borsten, Scheinangriffe, in den ersten Tagen nach der Geburt duldet die Bache keine Artgenossen, sie verliert sogar die Furcht vor den Menschen und greift an, wenn sich jemand dem Kessel nähert. Bei Schmerzen oder Angst kreischen sie laut und anhaltend
Krankheiten: Afrikanische Schweinepest (ASP), Aujeszkysche Krankheit (Pseudowut), Trichinellose (Zoonose), Brucellose, Hepatitis E, Ebolaviren, Kokzidien, Lungen-, Schweinepeitschen-, Haar- und Schweinespulwürmer
Schutzstatus:
Keiner
Im Bundesjagdgesetz (BJagdG): Ja
Funktion im Ökosystem: Beim Aufbrechen des Bodens auf der Suche nach Nahrung lockern Wildschweine die Erde tiefgründig auf. Dies fördert die Belüftung, verbessert die Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens und mischt Humusschichten unter. Durch das Wühlen schaffen sie offene Bodenstellen. Diese sind essenziell für die Keimung von Baumsamen, insbesondere für Eichen und Kiefern. Wildschweine fressen Larven von Forstschädlingen wie dem Kiefernspinner oder der Gespinstblattwespe und tragen so zur natürlichen Gesunderhaltung des Waldes bei. Das Wühlen schafft eine sogenannte Mikrotopographie, die neuen Pflanzenarten Raum gibt und somit die Pflanzenvielfalt fördert. Als Allesfresser nehmen sie auch Aas und kranke Tiere auf, was zur Hygiene im Wald beiträgt. Durch ihre Vorliebe für Schlammbäder (Suhlen) schaffen sie kleine, feuchte Habitate, die anderen Tier- und Pflanzenarten als Lebensraum oder Tränke dienen können. Nahrungsquelle für ihre Fressfeinde. Verursachen teils imense Wildschäden bei Neuansaht von Feldfrüchten
Wildschweine brauchen Hilfe, wenn …
– sie offensichtlich verletzt sind (z.B. durch Unfall)
– sie krank wirken (apathsich)
– kleine Frischlinge über längere Zeit (mehrere Stunden) alleine und laut fiepend (betteln) aufgefunden werden
Wie helfe ich richtig?
– Abstand halten
– Frischlinge nicht sofort anfassen, da die Bache meist in der Nähe ist
– Zuständigen Jagdpächter, den Förster oder die Polizei informieren
– Nur in Absprache mit Jagdpächter, den Förster oder die Polizei einen wildtierkundigen Tierarzt hinzuziehen
Was kann ich tun um Konflikte zu vermeiden?
– Mindestens 50m Abstand halten
– Nicht in die Enge treiben
– Ruhig bleiben, nicht rennen, langsam zurückziehen
– Hunde IMMER an der Leine führen und bei Gefahr nicht zum Schwein laufen lassen
Was kann ich für Wildschweine tun?
– Der Tierpark Thale bietet eine Tierpatenschaft (150€/Jahr) für Wildschweine an. Mit diesen Geldern werden anteilig Kosten für die Haltung und Modernisierung der Gehege investiert.
https://www.bodetal.de/fileadmin/user_upload/Bilder/Tierpark_Hexentanzplatz/Tierpatenflyer_April_2026.pdf
– „Harzdachs TV“ auf Youtube abonieren und neue Dinge lernen, wie hier zum Beispiel über das Schwarzwild
https://www.youtube.com/watch?v=QJ_lk2CvHro
Buchtipps:
– Unter Wildschweinen – Meine Jahre als Frischlingsmutter im Schwarzwildrevier von Anneli Noack
– Schwarzwild-Report – Vier Jahre unter Wildschweinen von Heinz Meynhardt
– Wildschweingeschichten von Heinz Meynhardt
– Graubart – Ein Tag im Leben eines Wildschweins von Heinz Meynhardt
– Das Jahr der Wildschweine von Heinz Meynhardt
– Schwarzwild – Bibliothek, Bd.2, Das Revier von Heinz Meynhardt
Sonstiges: Heinz Meynhardt, deutscher Verhaltensforscher, Tierfilmer und Sachbuchautor. International beachteter Experte für Wildschweine, bekannter Buch-, Film- und Fernsehautor. Veröffentlichte zahlreiche Bücher und 32 Filme über das Leben des Schwarzwildes
Mythologie:
